auch wenn es im Web schon viele Anleitungen zur Enchyträenzucht gibt, hat mich Qasim gebeten, eine zusammenfassende Zuchtanleitung für den Knoffhoff-Bereich in Kurzform zu schreiben. Mal schauen, wie kurz es wird.
Enchyträen, woher?:
Entweder man bestellt sich im Netz einen meist zu kleinen Zuchtansatz oder aber reine Ware ohne Erde. Ebenso kann man die im Zoohandel angebotenen Lebendfutterwasserbeutel-Enchyträen verwenden. Achtet dabei auf frische Ware!
Standort:
Am besten im dunklen ungeheizten Keller. Temperaturen von 8 - 18°C wären ideal, über 20° eher schlecht.
Behälter:
Styroporbox, Holzkiste, Plastikwanne. Ich bevorzuge Ersteres, zB: alte Frostfutterversandboxen, oder fragt mal euren Händler nach solchen Pflanzen- oder Fischversandboxen - Man sollte sie aber gründlich reinigen.
Substrat:
Ungedüngte Anzucht- oder Aussaaterde, Rindenmulch oder Rindenbriketts, stark ausgelaugter Torf. Etwa zu gleichen Teilen mischen. Niemals das mit Würmern besiedelte Substrat umgraben. Anfangs genügen 3-5 cm Substrathöhe, so kann man später immer wieder neues, frisches Substrat auflegen.
Feuchtigkeit:
Gut feucht halten, aber nicht zu nass. Austrocknen unbedingt vermeiden. Anfangs zusätzlich regelmässig die Oberfläche besprühen, später kann die Feuchtigkeit über das eingebrachte Futter gesteuert werden.
Futter:
Mit viel Wasser (keine Milch!) gekochter Haferflockenbrei - abgekühlt verfüttern – entweder eine kleine Glasscheibe darüber legen, oder in Furchen einbringen und mit frischem Substrat bedecken. Fütterung mit eingeweichtem Toastbrot (Weisbrot) ist auch möglich. Von Milch, Joghurt, Quark, Obst und Gemüse rate ich dringend ab, zumindest in der Hauptkiste.
Schädlingsbefall:
Um ihn weitestgehend zu vermeiden, kann man das Substrat vor der Benutzung im Backofen oder Mikrowelle „desinfizieren“ (Natürlich ohne die Würmer!).
Auch eine Abdeckung hilft gegen Schädlinge bzw. Futterkonkurenten. Es sollten aber mit feiner Fliegengaze überzogene Luftlöcher vorhanden sein.
Kontrolle:
Anfangs täglich, später alle paar Tage die Feuchtigkeit an der Oberfläche prüfen, verdorbenes, verschimmeltes Futter entfernen.
Ernte:
Geduld! Eine neu angesetzte Zuchtbox braucht schon einige Monate bis sie richtig läuft. Je mehr Enchyträen man am Anfang einsetzt, umso früher kann man ernten. Geschlechtsreif sind die Enchyträen erst im Alter von 5-7 Wochen.
Zur „Ernte“ benutzt man meist eine kleine Gabel mit der man die Enchys an den Futterstellen relativ rein entnehmen kann. Bei „geschlossenen“ Boxen kann man sie bei hohem Besatz auch vom Deckel waschen und von den Wänden mit einem Gummischaber entnehmen.
Ich denke mal das war die Kurzform, vielleicht noch ein paar Tips, die ich schon in diversen Enchytreads geschrieben habe:
Belasse es nicht bei einer Box, lege dir mehrere zu. Es kann schnell passieren, dass mal eine Box nicht mehr läuft, sich Schimmel oder Ungeziefer bildet. Dies ist dann zwar meist der eigene Fehler (zuviel Futter, zu nasse Erde usw…) aber auch mir passiert das mal.
Größere Boxen sind besser als kleine. Man kann dann immer wieder mal eine frische Erdschicht auflegen. Keinesfalls umgraben. Wenn eine Glasplatte aufgelegt wird, so darf diese nicht zu groß sein. Es muss Luft in die Erde kommen. Es geht auch ohne Glasplatte. Das Futter (mit Wasser gekochte Haferflocken oder angefeuchtetes Toastbrot) gebe ich abgekühlt entweder in eine Mulde oder besser in eine lange schmale Furche, die ich anschliessend mit frischer Erde bedecke. So können die Würmer von allen Seiten fressen und gleichzeitig beugt man einem übermässigen Schädlingsbefall vor.
Zur Entnahme schiebt man entweder die Erdschicht über der Furche wieder beiseite, oder man wartet, bis sich die Würmer so zahlreich vermehrt haben, dass sie in der feuchten Styroporbox auch an den Wänden und am Deckel umherkriechen. Von dort kann man sie mit einem Schaber abstreifen. Vom Deckel spüle ich sie meistens mit Wasser in einen Eimer ab.
Wenn so viele Enchys in einer Box sind, muss man aufpassen, dass sie nicht kaputtgehen. Also fast täglich kontrollieren. Sind die Enchys nur noch am Deckel könnte auch eine Übersäuerung des Bodens, Staunässe, Sauerstoffmangel oder verdorbenes Futter Schuld daran sein.
Enchyträen erreichen in der Regel ein Lebensalter von 2 - 9 Monaten, manchmal auch ein Jahr und länger. Die Entwicklung vom Ei bis zum geschlechtsreifen Tier dauert etwa 5 - 7 Wochen (DUNGER/ FIEDLER 1997, S. 419).
Weiterführende links:
http://www.afizucht.de/html/enchytraen.html
http://hypersoil.uni-muenster.de/0/07/04/04.htm
Bezugsquellen: (Auswahl nicht vollständig. Sollte jemand weitere, qualitativ gute Bezugsquellen haben, bitte ich um eine kurze Mitteilung per pn.)
http://www.enchytraeenzucht.de/
http://www.enchytraeen-schulz.de/
Diskussionen:
http://www.diskusportal.de/portal/forum ... ngers.html
http://www.diskusportal.de/portal/forum ... 155#201155


