Wirkung von Wasseraufbereitern - Fragen an die Fachwelt

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Wirkung von Wasseraufbereitern - Fragen an die Fachwelt

Beitragvon Wulfman » 3. Apr 2009 20:36

Hallo !

Ja auch bei mir gab es mal eine sehr aktive Forenzeit. Immer wieder tauchten Fragen zu der Wirksamkeit von Wasseraufbereitern auf Nitratgrenzwerten auf.

Daher bat ich per mail bei einigen Herstellern und Universitäten um Hilfe.

Umso mehr freute es, das einige wirklich Zeit in die Beantwortung investierten die ein Laie auch verstehen konnte. Bevor diese aber ewig alleine auf meiner Festplatte rumschimmeln stelle ich den damaligen Schriftverkehr hier ein, vielleicht ist auch für Euch die eine oder andere Interessante Erklärung und Info dabei.

Selbstverständlich habe ich mir von allen Beteiligten die Erlaubnis zur veröffentlichung in Foren eingeholt.

Meine Anfrage:

......
Auf die Gefahr hin sie nun völlig mit meinen fragen zu langweilen noch ein weiterer Versuch:

Wasseraufbereiter geben an Schwermetalle in ungiftige Verbindungen zu verpacken. Ich als Laie verstehe darunter das ummanteln dieser Stoffe sodas sie im Wasser nicht mehr gelöst werden können.

Besteht die Gefahr das diese Gebinde wieder aufgeknackt werden und nach geraumer Zeit die gefährlichen Stoffe wieder freigeben ?
Sind Huminsäuren in der Lage diese Komplexe zu knacken ?
Gilt auch hier der Wasserwechsel als sicherste möglichkeit selbiges zu verhindern und kommt der Reinigung des Bodengrund eine größere bedeutung zu da sich diese Komplexe am Boden niederlassen und durch einfache Oberflächenwasserwechsel nicht hinreichend entfernt werden ?

schonmal vielen lieben dank für die investierte Zeit



Die Antworten poste ich jetzt nach und nach sonst wird das Posting zu lang und unübersichtlich.
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Beitragvon Wulfman » 3. Apr 2009 20:50

R.Hoffmann vetmed.uni-muenchen

Die sogenannten Wasseraufbereiter sind sehr mit Vorsicht zu genießen. Meist werden Schwermetallionen an Chelate gebunden, von denen sie auch wieder frei gesetzt werden können. Desweiteren tragen sie oft mit bei, dass die Wasserpflege vernachlässigt wird "da ja die Schadstoffe entfernt werden." Ein gut gepflegtes Aquariuzm mit entsprechendem regelmäßigen Wasserwechsel kann aber gut auf derartige oft reisserisch aufgemachte Wundermittel verzichten, die meist nur dem hersteller, wenig aber den Fischen hilft.

Mit freundlichen Grüßen


R. Hoffmann
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Beitragvon Wulfman » 3. Apr 2009 21:05

Kurt Schiemenz und Dr. Peter Scheinert tgd-bayern

Ihre Nachschlagfrage zu den Schwermetallen:

Verpacken von Schwermetallen bedeutet hier ein molekulares
Einbinden in einen sog. Komplex. Der ist meistens gut
wasserlöslich, hat aber ganz andere, harmlosere
Eigenschaften als das blanke Schwermetall.

Prinzipiell ist eine Rückgewinnung der Schwermetalle aus diesen Komplexen möglich, aber meist nicht unter den Bedingungen eines
Aquariums, sondern mit richtig starken Reagenzien.

Allerdings sind gute Komplexbildner selbst nicht immer ganz
harmlos. Sie können auch lebensnotwendige Schwermetalle wie
das Eisen in Blut und Zellen komplexieren. Die Vergiftungen
mit Nitrit, Blausäure oder Schwefelwasserstoff sind von
dieser Art.

Huminsäuren wirken am ehesten selber als Komplexbildner.
Sollte es einzelnen Huminsäureformen gelingen, so einen
Schwemetallkomplex zu knacken, dann nur dadurch, dass sie
das Schwermetall bei sich selber noch besser wegpacken.

Ablagerungen von Schwermetallen am Bodengrund sind in
Aquarien gut denkbar. Dann handelt es sich meist um eine
Ausfällung als Sulfid. Dieses kann von starken Säuren
geknackt werden, aber nur, wenn durch diese der pH-Wert in
Bereiche abgesenkt wird, den Fische ohnehin nicht mehr
vertragen würden. Huminsäuren sind zu einer derart sauren
Reaktion zu schwach.


Mit freundlichen Grüßen
Kurt Schiemenz und Peter Scheinert
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Beitragvon Wulfman » 3. Apr 2009 21:12

Sehr geehrter Herr Schiemenz und Herr Scheinert,
vielen lieben dank für die ausführliche Antwort meiner Fragen.

Insbesondere haben uns ihre Aussagen zur Wirkung von Komplexbildnern überrascht - an dessen evtl. Wirkung hatten wir bisher garnicht gedacht. Wir haben einen Vergleichstest zur Wirkung verschiedener Wasseraufbereiter begonnen - bei dem wir enttäuscht feststellen mußten das die handelsüblichen Kupfertest´s leider nicht zwischen gebundenem und ungebundenem Kupfer unterscheiden können. Leider war es uns so nicht möglich anhand verschiedener Bedingungen im Aq die sicherheit der Ummantelung zu überprüfen.

Evtl. haben wir die Möglichkeit gelegentliche Kontrollmessungen mit einem Photometer durchzuführen - kann ein solches Gerät zwischen gebundenem und ungebundenem Eisen unterscheiden ?




Sehr geehrter Herr Wolf,

bei Schreckenbach sind Sie an der besten Adresse Deutschlands.
Ich kenne eine Veröffentlichung von ihm, die mehr nebenbei erwähnt, dass in Teichen auch bei 150 mg/l Nitrat noch keinerlei Wirkung an den Fischen zu bemerken gewesen sei.

Das bezieht sich durchaus auf langfristige Verhältnisse in den seinerzeit intensiv bewirtschafteten Fischteichen der DDR. Sein Mitarbeiter Spangenberg machte daraus in Schreckenbachs grossem Buch über Fischkrankheiten (begr. von Schäperclaus) einen Grenzwert von 150 mg/l für die einsetzende Toxizität. Als ich ihn danach fragte, lehnte Schreckenbach dies entsetzt ab und meinte, er habe diesen Fehler übersehen und müsse ihn für die nächste Auflage unbedingt korrigieren.

Was die analytische Unterscheidung von gebundenem und freiem Eisen betrifft, muss ich mal in den Normverfahren nachlesen. Da gibt es etwas.


Schöne Grüsse
Kurt Schiemenz
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Beitragvon Wulfman » 3. Apr 2009 21:21

SERA

Information zur Wirkungsweise von Wasseraufbereitern
Wasseraufbereiter enthalten in der Regel Stoffe, die dazu dienen sollen, im Aquarienwasser gelöste Schwermetalle in ionischer Form unwirksam zu machen bzw. in weniger giftige Formen umzuwandeln.

Die Vorstellung von einer „Ummantelung“ der Schwermetallionen trifft den Nagel auf den Kopf. Tatsächlich umgeben diese Moleküle die Schwermetallionen von mehreren Seiten (in der Regel von sechs) und bilden mit ihnen einen sogenannten Komplex.

Die Fachliteratur beschreibt das folgendermaßen: „Komplexe entstehen durch die Vereinigung von mehreren einfachen, chemisch beständigen Komponenten. In Lösung dissoziieren ( = zerfallen) sie oft nur in geringem Maße in die Ionen oder Moleküle, aus denen sie entstanden sind. Deshalb bleiben die charakteristischen Reaktionen (und damit die ggf. schädigende Wirkung) der einzelnen Bestandteile ganz oder teilweise aus.“ (Jander & Blasius, 1989).

Komplexe, die beim Einsatz von Wasseraufbereitern entstehen, sind besonders stabil und werden als Chelate oder Chelatkomplexe nach dem griechischen Wort für Schere bezeichnet. Diese Chelatkomplexe fallen nicht aus (belasten also den Bodengrund nicht) sondern verbleiben in der Lösung. In dieser Form können sie auch von den Pflanzen aufgenommen werden, die ja Schwermetalle als Spurenelemente benötigen.

Die Chelatkomplexe sind sehr stabil und können meist nur durch sehr drastische – und normalerweise im Aquarium nicht auftretende – Bedingungen zerstört werden, wie z.B. Kochen oder pH-Schwankungen um mehrere Einheiten. Durch Wasserwechsel wird natürlich ein Teil dieser Komplexe entfernt, d.h. die Konzentration der Komplexe im Aquarienwasser nimmt ab. Ein Anstieg der Konzentration an unkomplexierten Schwermetallionen durch eine Rücklösung ist nicht zu befürchten.

Lediglich durch das Zufügen von frischem Wasser, das möglicherweise Schwermetallionen enthält kann die Konzentration wieder steigen. Dies ist einer der Gründe für die Empfehlung, bei jedem Wasserwechsel den Wasseraufbereiter zuzugeben.

In das Aquarium eingebrachte Huminstoffe sind ebenfalls in der Lage Schwermetallionen komplex zu binden. Diese Komplexe bleiben nicht gelöst, sondern sinken zum Bodengrund ab. Ein Aufbrechen der bereits mit den Molekülen aus dem Wasseraufbereiter gebildeten Chelatkomplexe durch die Huminsäuren ist sehr unwahrscheinlich.

Es gibt jedoch auch andere Wasseraufbereiter, bei denen eine wässrige Aufschlämmung eines Feststoffes (Suspension) ins Aquarium eingebracht wird. Es handelt sich hierbei oft nicht um Moleküle, die mit Schwermetallionen Chelatkomplexe bilden, sondern um natürliche oder synthetische Silikate, die Schichten oder Hohlräume aufweisen, zwischen bzw. in denen Schwermetallionen oder andere Stoffe eingelagert werden können. Diese Art der Einlagerung ist meist nicht so stabil wie ein Chelatkomplex, bleibt auch nicht gelöst, sondern setzt sich im Bodengrund oder im Filter ab.

Literatur:

Brownell C.L. 1980: Water quality requirements for first–feeding in marine fish larvae. I. Ammonia, nitrite and nitrate. J. Exp. Mar. Biol. Ecol. 44: 269–283.

Hrubec T.C., Robertson J.L. & Smith S.A. 1997:Effects of ammonia and nitrate concentration on hematologic and serum biochemical profiles of hybrid striped bass (Morone chrysops x Morone saxatilis). Am. J. Vet. Res. 58(2):131-136.

Jander G. & E. Blasius 1989: Lehrbuch der analytischen und präparativen anorganischen Chemie, 13. Auflage, S. Hirzel Verlag, Stuttgart.

Pierce R.H., Yeats p.a. 6 P.M. Strain 1999: Nitrate toxicity to five species of marine fish. J. World Aquacult. Soc. 24 (1): 105-107.

Rubin A.J. & G.H. Elmaraghy 1977: Studies on the toxicity of ammonia, nitrate and their mixtures to guppy fry. Water Res. 11 (10): 927-936.

Schalie W.H. 1985: Toxicity of Guanidine Nitrate to Freshwater Aquatic Organisms. Govt Reports Announcements & Index (GRA&I), Issue 25.

Scott G. & R.L. Crunkilton 2000: Acute and chronic toxicity of nitrate to fathead minnows (Pimephales promelas), Ceriodaphnia dubia, and Daphnia magna. Environ. Toxicol. Chem. 19 (12): 2918 – 2922.

Tilak K.S., Lakshmi S.J. & T.A. Susan 2002: The toxicity of ammonia, nitrite and nitrate to the fish, Catla catla (Hamilton). J. Environ. Biol. 23(2): 147-156.

Westin D.T. 1974: Nitrate and nitrite toxicity to salmonoid fishes. Prog. Fish-cult 36 (2): 86-89


Wir hoffen damit Ihre Fragen ausreichend beantwortet zu haben, und verbleiben mit freundlichen Grüßen

sera GmbH

i.A. Petra Stegger , Dr. Matthias Dahm
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Beitragvon Wulfman » 3. Apr 2009 21:36

So....


Das waren die mir noch vorliegenden Antworten, zur Übersichtlichkeit habe ich die beiden Themen voneinander getrennt und etwaige Zeichenfehler behoben (emails waren teilw. beschädigt) wer tapfer bis hierhin mitgelesen hat , hat sich nen Kaffee verdient. ^^





Grüßle


Holger
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Beitragvon Anita77 » 3. Apr 2009 21:40

Hallo Holger,

vielen lieben Dank für Deine Mühe :D das is sehr interessant!

............. ich hätt gern nen Kaffee - :wink:

Verwendest Du selber mittlerweile denn noch Wasseraufbereiter?

Liebe Grüße,
Anita
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Beitragvon Wulfman » 3. Apr 2009 21:46

Ja ich verwende Ihn (seit meinem Umzug nach hier) da ich das Risiko gelösten Kupfer im Aq zu haben als die größere Gefahr ansehe.

Aber Mitte/Ende des Jahres erneuern wir die gesamte Wasserzuleitung vom Brunnen zum Haus und dann gibt es garantiert Kupfer & auch Phostphatfreies Wasser mit leckerem Ph-Wert und ohne lästige Wasseraufbereiter.

*Kaffee ausgeb*



Holger

:wink:
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Beitragvon jgottwald » 4. Apr 2009 09:18

Hallo Holger,
so ganz verstehe ich das ganze nicht. Wer in der Vergangenheit mit Wasseraufbereitern gearbeitet hat, der wird es auch in Zukunft tun und gegenteilig.Kupfer aus dem Wasser zu kriegen ist kein nennenswertes Problem der hätte schon ein Carbonitfilter genügt, Phophat wirst du aber nicht durch neue Leitungen etc. rauskriegen da es oft ein Zusatzstoff der Wasserwerke ist.
mfg
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Beitragvon Wulfman » 4. Apr 2009 17:38

Hallo Jörg,

unser Haus wird ausschließlich über Grundwasser versorgt da wir nicht an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen sind. Der PH-Wert des Grundwassers ist aber derart niedrig das er die Kupferleitungen angreift.

Nach Trinkwasserverordnung (und so ein offizieller gemeldeter Brunnen wird ja jährlich per Wasseranalyse überprüft) muß verhindert werden das sich Stoffe in den Leitungen lösen können. Dazu wurde bei uns eine Dosieranlage eingebaut die Phosphat beimischt.

Durch den geplanten Umbau werde ich aber einen Wasserhahn vor die Dosieranlage (und hinter die UV Anlage) installieren somit erhalte ich unbehandeltes als Phosphatfreies und Kupferfreies Wasser.

Ein Carbonitfilter für das gesamte Haus wäre nicht praktikabel da wir ja verhindern müssen das sich die Leitungen nach und nach auflösen.
Für mein Aq wäre es sicherlich eine Möglichkeit aber ich spare Ihn mir lieber da ja eh der Umbau geplant ist und er dann nicht mehr notwendig sein wird.

Aber eigentlich ist das knapp am Thema vorbei - diesen Thread habe ich nicht im Bezug auf meine gegebenheiten erstellt.

Hier geht es im allgemeinen um die Wirkweise von Wasseraufbereitern und inwiefern deren Komplexe denn auch sicher sind. Dazu hatte ich in der Vergangenheit mal die "Fachwelt" befragt. Was man aus den verschiedenen Antworten für schlüsse zieht ist ja jedem selbst überlassen - ich fand einige der Erklärungen sehr interessant und aufschlussreich(das Thema Nitrat ist aber eher mein Favorit ).


liebe Grüße


Holger
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Beitragvon qasim » 23. Apr 2009 15:58

Hallo Holger,
Sehr aufschlussreicher Beitrag über Wasseraufbereiter! :top
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