Hallo Markus,
Markus hat geschrieben:Hallo Ralf,
So kennt man Dich

Lange nichts mehr von Dir gehört! Ich hatte schon befürchtet, Du hättest der Diskus"szene" den Rücken gekehrt.
So kennt man mich ?
Naja, ist oft ein Zeitproblem bei der Vielzahl der Foren und Diskussionsgruppen. Keine Sorge, auch wenn ich zu Hause keine Diskus mehr pflege, dafür jede Menge Wildfangskalare derzeit, bin ich durchaus mit Diskus noch in Kontakt, beruflich,

In unserem AQ-Verein wird auch so ein Cocktail zusammengemischt mit Spinat, Fischfleisch, Rinderherz, Knoblauch, Garnelen, alles durch den Mixer, eingefroren und dann verfüttert. Und man ist stolz drauf, den Fischen Gutes zu tun. Tut man das wirklich ?
Was sagen denn Deine Vereinskollegen dazu ?
Die finden das ganz toll. Ehrlich, vernünftige Argumente gibt es nicht.
Meiner Ansicht nach hängt man sich viel zu sehr an der Vorstellung Rinderherz auf, da es doch weit ab von einem Futter ist, was der Diskus in der Natur findet. Wenn man, wie Deine Vereinskollegen es tun, andere Dinge hinzumischt, ist dies m.E. durchaus legitim. Trotzdem widerstrebt es mir, wenn solche Futtersorten als Alleinfutter benutzt werden.
Weisst Du, ich bin nach wie vor kein Freund (und werde es nie werden) von Rinderherz und anderen stark proteinhaltigen Futtersorten, nimm Spirulina als Beispiel und Bloat als eine mögliche Erkrankungsform bei Tropheus, auch hier ist die Symptomatik vergleichbar.
Im AQ-Verein kam das Argument, billiges Futter, naja, wenns das ist, dann sollte man m.E. das Hobby aufgeben.
Du sprichst das Alleinfutter an, das ist das eigentliche "Grundübel". Dabei kommt es hier im wesentlichen auf die Dosierung, die Menge und eben die Ballaststoffe an. Manchem Diskus-Aquarianer konnte ich durch Futterumstellung helfen, manchmal jedoch auch nicht, wenn andere Haltungsparameter nicht stimmten.
Aber mal im Ernst, findet ein Diskus in der Natur Spinat, am besten noch mit blubb

Du sagst, dass RH ein Kraftfutter ist und ich gebe Dir da ohne Zögern recht. Wobei ich immer noch nicht verstehe, warum nur Rinderherz von einigen so verteufelt wird. Auch diverse Granulate, sowie Muschelfleisch sind hochproteinhaltige Futtermittel, mit denen man Wachstumsresultate erzielen kann, die vergleichbar mit denen von Rinderherz sind. Angeprangert wird aber nur das RH ?!?
Naja, Warmblüterfleisch, wenn man es weiter faßt. RH ist nun mal ein Symbol für irgendwas, zugegeben auch für mich, deswegen brachte ich den Begriff Kraftfutter. Das andere Futtersorten ähnliche Auswirkungen haben können, wird oftmals schlicht übersehen und sollte mal diskutiert werden.
Ich habe das Beispiel der Colisa lalia durchaus bewußt gebracht, ich kenne keinen Fisch, der derart kaputt gezüchtet, massiv aufgepäppelt wird, daß die Tiere in wenigen Monaten verkaufsreif sind. Und dann stehen sie in den Händlerbecken, vor allem die Weibchen massiv aufgedunsen mit schleimigem, lang fädrigem Kot. Kommt Dir das alles nicht bekannt vor ? Es ist vermutlich letztlich das gleiche. Behandlungen sind zwecklos, man kann nur hoffen, daß die Tiere, die dann, wenn alles stimmt, was man so liest, auch noch Fisch-TB verseucht sind in Mengen, durch vernünftige Hälterung und Futterumstellung sich nochmal fangen lassen.
Das ist kein Fisch mehr, sondern reine Verbrauchsware. Bei Colisa lalia ist das extrem krass und wird auch nicht richtig wahrgenommen. Meiner Meinung nach ist der "König der Fische" aber seit Jahren auf einem ähnlichen Weg, wenn ich mir manche jüngere Zuchtform ansehe: Lollifarbene Kreissägen schrieb mal ein Forumskollege. Vielleicht kommt da zwischen den Lagern der Wildformanhänger und der Zuchtformanhänger der eigentliche Disput her, der dann auf RH verlagert wird, aber vielleicht grundsätzlich was ganz anderes meint.
Unabhängig vom Proteinlieferanten (auch auf die Gefahr, dass ich es jetzt zu sehr vereinfache) sehe ich bei Jungfischen keine grosse Gefahr, dass die Tiere dadurch Schaden erleiden, sofern sie zu gleichen Teilen auch ballaststoffreiche Kost gereicht bekommen.
Die Frage der Verdaubarkeit des Kollagenes ist da eine nicht unwichtige Frage, zugegeben habe ich mich die letzten beiden Jahren allerdings mit der problematik nicht mehr vertiefend beschäftigt, kann also sein, daß mir da manches durch die Lappen gegangen ist. Egal wie, Kollagenfasern sind bzgl. der Aminosäuren ein eher minderwertiges Protein, letztlich dürfte in der Gesamtmenge an zugeführtem Kollagen die Ursache für Verdauungsproblemen zu suchen sein.
Jeder weiß auch, daß (natürlich von Tierart zu Tierart verschieden), der Darm Ballaststoffe benötigt, diese kann ich nicht auf Dauer ohne Nebenwirkungen deutlich reduzieren.
Unterm Strich muss die Funktionsfähigkeit des Darmes vollends erhalten bleiben, keine Frage. Die Frage ist, wann die Grenze überschritten wird.
Eben und die Grenze kann man so nicht definieren, man kann sich mit großen Versuchsreihen rantasten, aber individuelle Komponenten und andere Hälterungsfaktoren spielen da rein.
Allerdings habe ich auch schon bei nahe 30 Grad ausbrechende Ichthyo-Infektionen gesehen, und kürzlich (für mich noch unbestätigte) Hinweise bekommen, daß im Südwestdeuschen und in der Schweiz evtl. Ichthyo-Stämme aufgetreten sind, die sich auch bei 32 Grad noch weiter entwickeln können.
Gerade Parasiten überraschen uns immer wieder mit ihrer Anpassungsfähigkeit. Ein Arbeitskollege, der von mir Diskus bekommen hatte, bekam nach einem Zukauf von Neon eine Ichthyoinfektion. Eine Temperaturerhöhung auf 30° C über zwei Wochen war ohne Erfolg, erst ein Medikamenteneinsatz mit Malachit löste das Problem. Solche "mutierten" Parasiten sind wesentlich gefährlicher, als die in der früheren Literatur beschriebenen.
Ich habe so einen Fall bei einem Schaubecken auch mit einer periodisch springenden Ichthyo-Infektion ganz leichter Art zwischen Altums und L 37, die anderen im Becken lebenden Tiere (Hyphessobrycon pyrrhonotus, Sturisoma spec., Crenicara punctulata und neuerdings Hemiodopsis gracilis) sind ohne Befall. Alle 2-4 Wochen sieht man entweder an den Altums oder an den L 37 ganz wenige Punkte. Das ganze läuft nun seit runden 5 Monaten bei dauerhaft 28 Grad, etwas schwankend zwischen 26 und 30. Behandelt habe ich den Erstausbruch des Ichthyo (da war er heftiger), derzeit kontrolliere ich nur die Tiere und brauchte nicht mehr weiter einzugreifen.
In der ansonsten heir geführten Diskussion gab es noch viele Denkansätze und Punkte, die man nochmals aufdröseln sollte, z.B. das mit der Beschleunigung des Stoffwechsels und des schnelleren Alterns oder der Frage 26 oder 27 Grad für Diskus und Pflanzenwuchs. Gerade letztere Frage brachte mich etwas zum Schmunzeln, ich habe mit vielen handelsüblichen Thermometern in Becken gemessen und dabei Abweichungen von bis zu 4 Grad Celsius im Extremfall gemessen, bei mir wachsen die meisten Pflanzen auch bei 27-28 Grad gut.
Gruss Ralf