von Gerhard_Rahn » 7. Feb 2012 22:23
Hallo Markus,
wie vorgestern telefonisch beprochen, füge ich einen Beitrag von mir ein, der 2001 in der DATZ erschienen ist. Ich werde in den nächsten Tagen noch etwas dazu ergänzen:
Zitat:
"Solange Diskusfische in unseren Aquarien gepflegt werden, machen sich die Aquarianer Gedanken über die artgerechte und gesunde Ernährung ihrer Pfleglinge. Dies ist nicht immer leicht. Gelegentlich muß auch einmal vor der einen oder anderen Futterart gewarnt werden, auf jeden Fall dann, wenn sie nicht artgerecht ist oder wenn sie sogar gefährlich werden könnte.
Gefahren durch die Verfütterung von Granulaten?
In der Ernährung der Aquarienfische haben seit vielen Jahren auch von der Aquarienindustrie hergestellte Futtermittel einen festen Platz. An erster Stelle sind hier Flockenfutter und Futtertabletten zu nennen. Seit etwa knapp zwei Jahrzehnten gibt es auch Fischfutter in Granulatform. Alle diese Formen haben grundsätzlich auch ihre Berechtigung bei der Ernährung der Diskusfische. Einige Hersteller deklarieren ihr Granulat sogar als spezielles Diskusfutter. Diskusfische, aber nicht nur diese, sollten aus verschiedenen Gründen möglichst abwechslungsreich ernährt werden. Es ist vorteilhaft, wenn Jungfische und halbwüchsige Tiere mehrere kleine Mahlzeiten bekommen, möglichst über den ganzen Tag verteilt. Mit Flockenfutter, Tabletten und Granulaten ist dies auf bequeme Art möglich, da diese Futterarten in der Nähe des Aquariums gelagert werden können. Frostfutter und Lebendfutter sind in der Lagerung und Handhabung wesentlich aufwendiger. Granulate kann man außerdem sehr gut mit einem Futterautomaten füttern, ebenso lassen sie sich gut mit Vitaminen anreichern. Wenn Diskusfische nicht ausschließlich mit diesen Futterarten ernährt werden, ist gegen ihre Verwendung nicht viel auszusetzen, bis auf die Tatsache vielleicht, daß einige von ihnen zusätzliche künstliche Farbstoffe enthalten. Ansonsten sind z.B. vom Flockenfutter keine negativen Auswirkungen bekannt, anders sieht dies bei der Verfütterung von Granulaten aus. Hier sind schon von Anfang an immer wieder Probleme aufgetreten. Oft sterben Diskusfische plötzlich, ohne daß ein möglicher Zusammenhang damit erkannt wird.
Die Symptome
Die Symptome gleichen denen einer Vergiftung. Sie treten in der Regel einige Stunden, spätestens am nächsten oder übernächsten Tag nach der Verfütterung des Granulates auf. Manchmal haben die Diskusfische einen dicken Bauch, sie färben sich dunkel, einige Körperpartien können dabei extrem hell werden. In diesem Stadium werden die Tiere unruhig und zunehmend schwächer, sie legen sich auf den Boden oder stützen sich dort ab, andere hängen an der Oberfläche, beim Schwimmen stoßen sie gelegentlich leicht an Einrichtungsgegenstände oder setzen „hart“ auf dem Beckenboden auf. Die Augen bekommen oft eine unnatürlich grelle Färbung, die Tiere wirken orientierungslos, sie schießen gelegentlich durch das Becken. Die Atmung ist anfangs beschleunigt, später ist sie stark verlangsamt und schwach, schließlich setzt sie ganz aus. Dieser Vorgang dauert oft nur einige Minuten oder wenige Stunden, gelegentlich erholen sich die Fische aber auch, wenn sie nicht zu stark geschädigt sind. Dies dauert allerdings einige Tage.
Die möglichen Ursachen
Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen. Ein wichtiger Grund scheint vorzuliegen, wenn die Fische dieses Futter nicht gewohnt sind. Während Diskusfische, die das Granulat von frühester Jugend an fressen, seltener Probleme damit haben, treten die plötzlichen Todesfälle gehäuft in den Fällen auf, wo die Diskusfische das Granulat zum ersten Mal bekommen und besonders dann, wenn sie schon ganze Körner auf einmal schlucken können. Vor allem kräftige Tiere, die besonders viel und gierig fressen, sind oft die Opfer. Diskusfische, die nur sehr langsam fressen, bekommen seltener Probleme damit. Der wichtigste Grund hierfür ist offensichtlich die Fähigkeit dieses Futters, große Mengen an Wasser aufnehmen zu können. Bei manchen erfolgt dies sehr schnell, bei anderen eher langsam. Die Granulate einiger Hersteller können ihr Volumen dabei problemlos verdoppeln, manche hingegen quellen nicht so stark oder nur sehr wenig auf. In einigen Fällen sind auch schon Probleme aufgetreten, wo das Granulat trotz Einweichen vor der Verfütterung zu Problemen und Todesfällen bei Diskusfischen geführt hat, hierbei könnte zusätzlich die Tatsache eine Rolle zu spielen, daß einige Arten eine besonders rauhe, scharfkörnige Beschaffenheit aufweisen, die auch trotz der Wasseraufnahme nicht oder nicht schnell genug verschwindet.
Frißt ein Diskus innerhalb kurzer Zeit eine größere Menge eines Granulates, welches im Magen- Darmtrakt noch sehr viel Flüssigkeit aufnimmt und dabei aufquillt, führt dies zwangsläufig dazu, daß dem Mageninhalt und auch der Magen-/Darmwand Wasser entzogen wird, Schäden an den Schleimhäuten des Magens und des Darmes könnten die Folge sein. Wenn nicht nur die Schleimhäute, sondern auch die Magen- und Darmwand geschädigt wird, könnten an diesen Stellen winzige Mengen an Nahrungsbrei mit den darin enthaltenen Bakterien und Verdauungssäften in die Leibeshöhle austreten. Eine Sepsis (Entzündung) des Bauchraumes mit seinen Organen und Nerven ist die Folge. Dies würde die Symptome erklären, mit denen die Diskusfische verenden. Das Aufquellen des Granulates scheint nur eine untergeordnete Bedeutung zu haben. Diskusfische können oft große Mengen an Futter aufnehmen, so daß der Bauch stark aufgetrieben ist, normalerweise haben sie damit keine Probleme, nach einigen Stunden ist der dicke Bauch wieder verschwunden. Auch die Möglichkeit einer Verstopfung ist nicht auszuschließen, sie ist aber offensichtlich nicht der Grund für die plötzlichen Todesfälle. Diskusfische, die eine Verstopfung haben, leben in der Regel damit noch einige Tage oder Wochen, auch wenn der Bauch dabei bedrohlich aufquellen kann, manchmal verschwinden sie von selbst.
Die Ausschaltung der Gefahren
Bei den beschriebenen Problemen handelt es sich um häufig gemachte Beobachtungen und Erfahrungen, die den beschriebenen Sachverhalt und die Erklärung dafür als sehr wahrscheinlich erscheinen lassen. Es wäre aber sicherlich übertrieben, grundsätzlich von der Verfütterung des Granulatfutters abzuraten, allein schon deswegen, weil es mehrere Hersteller gibt, die unterschiedliche Qualitäten anbieten, jedoch ist besondere Vorsicht geboten, wenn dabei die oben beschriebenen Symptome bei der erstmaligen Verfütterung aufgetreten sind. Hier ist ein Zusammenhang sehr wahrscheinlich, vor allem wenn man vorher bei seinen Tieren nie oder nur selten Todesfälle zu verzeichnen hatte. Bei jeder Umstellung auf ein neues Futter kann es Probleme geben, daher sollte die Gewöhnung „einschleichend“ erfolgen, d.h. man gibt bei jeder Mahlzeit zum gewohnten Futter eine sehr kleine Menge des neuen Futters. Diese Menge kann, wenn es gewünscht wird, schrittweise gesteigert werden. Auf jeden Fall sollte man vermeiden, bei gierig fressenden Diskusfischen, die Granulatfutter noch nie bekommen haben, beim ersten Mal größere Mengen dieses Futters in trockenem Zustand in das Wasser zu schütten. Wenn man es vorher ausreichend in Wasser aufweicht, dürfte in den meisten Fällen nichts passieren, vor allem, wenn dann man es nicht als Alleinfutter verabreicht. Dieses ist jedoch genauso abzulehnen, wie jede andere einseitige Ernährung.
Sollten im Zusammenhang mit der Verfütterung von Granulaten die beschriebenen Symptome gehäuft auftreten oder aufgetreten sein, sollte man sich ruhig einmal mit dem Hersteller in Verbindung setzen, um ihn darüber zu informieren. Wenn es sich um ein seriöses Unternehmen handelt, wird es zwar nicht erfreut darüber sein, es sollte dies aber zum Anlaß nehmen, der Sache auf den Grund zu gehen, um mögliche Probleme abzustellen, anstatt von vornherein jeglichen Zusammenhang zu leugnen, wie dies bei solchen Anlässen leider gelegentlich geschieht. Es sollte das Ziel eines jeden Unternehmens sein, seine Produktpalette ständig zu verbessern und ganz besonders, mögliche Gefahren auszuschalten; hierzu benötigt es nicht nur eine gute Forschung und Entwicklung, sondern auch Erfahrungsberichte und Anregungen aus der Praxis."
Mit freundlichem Gruß
Gerhard