Quellverhalten von Diskusgranulat – Fakten u. Thesen

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Quellverhalten von Diskusgranulat – Fakten u. Thesen

Beitragvon Markus » 28. Jan 2012 22:03

In den vielen Jahren, in denen ich mittlerweile Diskus pflege und vor allem züchte, habe ich schon diverse Diskusgranulate ausgetestet. Es waren sicherlich an die 20 verschiedene Sorten.
Jeder Hersteller/Verkäufer versucht natürlich, die Vorzüge seines Granulates in den Vordergrund zu stellen, hierbei kommt oft das Thema Quellverhalten zur Sprache. Gern wird behauptet, das Granulat quelle nicht, oder es quelle wenig.
Zu dem Thema habe ich Aufzeichnungen gemacht mit 5 verschiedenen Granulaten und deren Quellverhalten, ich werde dazu auch meine Erfahrungen kundtun, die ich mit den Granulaten bei meinen Fischen gemacht habe. Und ich werde auch meine Thesen zum Thema Quellverhalten darlegen. Diese Meinungen/Thesen beruhen auf praktischen Beobachtungen und daraus gezogenen Rückschlüssen. Ob sie alle richtig und stimmig sind kann ich nicht beurteilen. Gern höre ich fundierte Gegenmeinungen und würde mich auch freuen, wenn irgendjemand wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Thema kennt und mitteilt.

Bevor ich aber zum Thema Quellverhalten komme erst mal ein paar grundsätzliche Gedanken zum Thema Granulat:

Heute gibt es viele hochwertige Granulate, die aufgrund der Bestandteile und moderner Herstellungsverfahren durchaus als vollwertige Futtermittel anzusehen sind.
Granulat ist sehr einfach im Handling, in der Regel im Vergleich zu Frostfutter deutlich preiswerter, es lassen sich effektiv Zusatzstoffe einarbeiten wie bspw. Vitamine, aber auch Medikamente und es gibt wohl kaum ein Futter, was sich besser mittels Futterautomat verarbeiten lässt.

Infos zum Aufwerten:
http://www.diskusportal.de/granulat-mehr-als-nur-trockenfutter-t12678.html
Speziell in der Aufzucht spielt ein Granulat seine Vorzüge aus. Während der Arbeit dosiert ein Futterautomat das Granulat mehrmals am Tag und die Diskus danken es durch ein sehr gutes Wachstum, insbesondere, wenn man darauf achtet, dass das Granulat einen höheren Proteingehalt hat ( 50...60%). Grundsätzlich muss man aber darauf achten, dass es möglichst von allen Diskus gefressen wird, ansonsten wird man innerhalb eines Wurfes ein sehr unterschiedliches Wachstum feststellen können. Die „verfressenen“ Tiere wachsen sehr schnell, die „Zögerlichen“ bekommen kaum was ab und bleiben im Wachstum deutlich zurück. In diesem Fall hat es sich bewährt, die Würfe nach Größen aufzuteilen, so holen die Zurückgebliebenen deutlich auf. Macht man es rechtzeitig, werden auch aus den Zögerlichen stattliche Diskus.

Worauf ich aber hier noch nicht eingegangen bin – es gibt einen Nachteil bei Granulat, der auftreten kann, aber nicht muss. Früher häufiger - heute seltener, sterben Diskus nach einer Granulatmahlzeit. Oft sind leider die größten u. schönsten, aber auch gefräßigsten Tiere betroffen. Wie aber kommt das? Gerade diese Tiere sollten doch auch die Robustesten sein?

Hört man sich um oder liest in Fachliteratur u. Internet, so wird das Quellverhalten der Diskus dafür verantwortlich gemacht, was auch logisch erscheint. Was aber ist von Granulaten zu halten, welche laut Aussagen von Verkäufern nicht quellen? Gibt es so etwas und sind solche Granulate besser bzw. gar ungefährlich ?
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Re: Quellverhalten von Diskusgranulat – Fakten u. Thesen

Beitragvon Markus » 28. Jan 2012 22:07

Die nachfolgende Grafik zeigt das Quellverhalten von fünf verschiedenen Granulaten im Zeitverlauf von 18 Minuten. Die leichten Abweichungen in den Graphen beruhen auf Messungenauigkeiten. Natürlich kann ein Granulat in Wasser nicht mehr schrumpfen, entscheidend ist bei der Auswertung die Tendenz der einzelnen Sorten.
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Gran_Quellen.jpg
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Re: Quellverhalten von Diskusgranulat – Fakten u. Thesen

Beitragvon Markus » 28. Jan 2012 22:09

Wie man sieht, zeigen alle Granulate ein deutliches Quellverhalten vor allem in den ersten 5 Minuten. Wenn man rein die Daten aus der Grafik nimmt, so könnte man zu der Ansicht kommen, dass Riesenunterschiede zwischen dem Discusfood und den Zübis besteht. D.h. die Zübis scheinen um fast 60 % zu quellen, das Discusfood jedoch nur um knapp 30%. Es würde also nur halb soviel Quellen. Hierbei wird aber nicht berücksichtigt, dass die Zübis auseinanderfallen und sich nicht so dreidimensional ausdehnen, wie es speziell das Tropical, aber auch das Discusfood macht. Die SAK-Sorten zeigen ein ähnliches Verhalten wie die Zübis, aber nicht so extrem.

Wenn man mal genau nachdenkt, so kann man auch nachvollziehen, warum ein Granulat quellen muss. Ein Granulat hat einen Feuchtigkeitsgehalt von unter 10%, da es bei/nach der Herstellung getrocknet wird. Die Rohsubstanzen wie Fisch, Rinderherz, Getreide usw. haben im nicht getrockneten Zustand Feuchtigkeitsgehalte von 60...80 %. Sie schrumpfen beim Trocknen, dehnen sich danach aber im Wasser wieder entsprechend aus. Wer einmal eine 5-Minuten-Terrine oder ein vergleichbares Produkt anderer Hersteller zubereitet hat, kann das nachvollziehen.

http://mlu.mw.tu-dresden.de/module/m017 ... wasser.htm

Aber was sagt uns das nun?

Meiner Meinung nach sind die Unterschiede bzgl. des Quellens nicht so gravierend, dass man die manchmal auftretenden Probleme allein auf das Quellverhalten schieben kann. Beim Sezieren bei an Granulat verstorbenen Diskus habe ich feststellen können, dass sich im Magen-/Darmtrakt der betroffenen Tiere eine sehr zähe, leicht klebrige Masse befand, sie erinnerte mich an Silikon bzw. noch eher an Karosseriedichtmasse (wem das etwas sagt...).
Meine These ist, dass die Tiere das Granulat aufnehmen und meist den größeren Anteil innerhalb der ersten Minute. Im Fisch entzieht das Granulat dem umgebenden Gewebe Feuchtigkeit und die pastöse Masse ist durch adhäsiv/kohäsives Verhalten vom Fisch kaum noch durch die Darmperistaltik weiter zu bewegen, es kommt zum Darmverschluß. Das Ausdehnen der Masse wird das Problem zusätzlich verschlimmern.
Soweit meine These, viel wichtiger aber ist, wie man diesem Problem begegnet.
Man kann das Granulat vor dem Verfüttern einweichen, hier sollte man sich aber schon 5 Minuten Zeit für nehmen. Hierbei geht aber m.E. ein wesentlicher Vorteil des Granulates verloren, man kann es nicht mehr per Futterautomat verfüttern.
Nach meinen Erfahrungen sind Diskus viel eher betroffen, die kein Granulat gewöhnt sind. Man sollte die Tiere also langsam und mit sehr kleinen Mengen an das Futter gewöhnen. Züchter sollten die Jungfische schon an Granulat gewöhnen, sobald sie anfangen, vom Boden zu fressen. Kleine Diskus picken sich meist auch von größeren Granulatkörnern ihre Portionen zurecht. Falls man das nicht glaubt oder nicht klappen sollte, so kann man kleineres Granulat kaufen oder aber auch einfach das normale Granulat mittels einer Pfeffermühle kleinmahlen. Wer gern bastelt und eine elektrische Pfeffermühle zweckentfremden möchte, könnte über eine Zeitsteuerung auch einen Futterautomat für Minigranulat bauen :-)

Für mich ist und bleibt Granulat eines der wichtigsten Futtermittel für die Aufzucht von Diskus !!!
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Re: Quellverhalten von Diskusgranulat – Fakten u. Thesen

Beitragvon Markus » 28. Jan 2012 22:20

Hier noch ein paar Bilder, wie das Quellen gemessen wurde. Die Bilder sind unterm Mikroskop entstanden, die Kamera mit Messfunktion hat keine überragende Qualität, sorry ;-)

Es sind noch ein paar Bilder mehr entstanden wegen der Messwerte, aber das ist ja nicht kriegsentscheidend.

LG
Markus
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Trocken.jpg
Trocken
Nass_2m1.jpg
Nass, nach 2 min.
Nass_5m1.jpg
Nass, nach 5 min.
Nass_15m1.jpg
Nass, nach 15 min.
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Re: Quellverhalten von Diskusgranulat – Fakten u. Thesen

Beitragvon qasim » 1. Feb 2012 20:23

Hallo Markus, Besten Dank für deinen Ausführlichen Bericht! :top
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Re: Quellverhalten von Diskusgranulat – Fakten u. Thesen

Beitragvon Markus » 6. Feb 2012 20:06

Hallo Qasim,

danke Dir für den Kommentar.
Andere scheint es ja wenig zu interessieren, man beschwert sich lieber (zugegebenermaßen aber auch nicht unbegründet), dass nur noch wenig los ist :wink:

Schöne Grüße in die kalte Hauptstadt
Markus
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Re: Quellverhalten von Diskusgranulat – Fakten u. Thesen

Beitragvon Erwin » 7. Feb 2012 00:29

Hallo Markus,

du nötigst einen ja förmlich, dir hier auch Rückmeldung zu geben. :wink:
Ich gebe zu, ich hab deinen Beitrag vor etwa einer Woche gelesen, ihn für gut und informativ befunden, aber nicht darauf geantwortet. Ich sah einfach keinen Grund für mich darauf einen Kommentar abzugeben. Zumal ich ja allgemein weniger schreibe als früher.

Also auch von mir:
Gut gemacht :top

MfG
Erwin

ps: dürfen bzw. sind wirklich alle Forenteilnehmer berechtigt im Knowhow-Bereich zu antworten?
Mein "persönliches Album" enthält mehrere Seiten.

Und wo ist Bayern München ?
Herzlichen Meisterglückwunsch an den BVB 09
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Re: Quellverhalten von Diskusgranulat – Fakten u. Thesen

Beitragvon Markus » 7. Feb 2012 09:53

Hallo Erwin,

danke für das aufschlussreiche Feedback :oops:
Ich habe mich, als ich den Text hier eingestellt habe, auch gefragt, ob hier jeder schreiben kann oder eben nicht.
Daher habe ich mir andere Beiträge hier angeschaut und bin zu der Meinung gekommen, dass es möglich sein müsste. Es sind aber einige Beiträge aus den allgemeinen Rubriken hierhin verschoben worden, daher liege ich einfach falsch.

An dieser Stelle muss ich auch zugeben, dass ich einen Hintergedanken mit meinem Kommentar verfolgt habe. Ablenken von dem Jammern, dass nichts mehr los ist (denn daran sind viele schuld) und mal wieder ein Thema zu eröffnen, was zu neuen Diskussionen anregt. Der Schuss ist ja dann nach hinten losgegangen :roll:

Habe einige PN´s bekommen mit dem Hinweis, dass hier nicht jeder schreiben kann (Danke dafür, ich Schussel), aber auch die ein oder andere Frage. Diskutert werden kann hier: http://www.diskusportal.de/thread-quellverhalten-von-diskusgranulat-t33856.html

Schöne GRüße
Markus
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