Osmosefilter

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Osmosefilter

Beitragvon Markus » 13. Feb 2005 21:14

Wir stellen hier mal meinen Bericht zum Osmosefilter ein mit freundlicher Genehmigung des Diskus-Welt-Reports. Erschienen ist er im DWR-Heft 3/2004. Ich hoffe, dass es dem ein oder anderen bei der Auslegung oder auch Entscheidungsfindung hilft.


Osmosefilter – Filtertechnik, die begeistert

Autor: Dipl.-Ing. (FH) M. Jochheim

Der ein oder andere von Ihnen, liebe Leser, wird sich sicherlich jetzt fragen: Was ist denn ein Osmosefilter? Andere werden davon schon mal im Internet, Diskusforen und –homepages, etwas gelesen haben.
Anhand der in Internetforen diesbzgl. gestellten Fragen kann man aber vielfach erkennen, dass die meisten Aquarianer nicht genau wissen, was ein Osmosefilter genau ist, wie er funktioniert, geschweige denn, welche großen Vorteile er dem Halter/Züchter und vor allem den Diskus ( bzw. natürlich auch allen anderen Weichwasserfischen) bieten kann.
Im vorliegenden Artikel wird die Funktion, der Aufbau, sowie die mit dem Osmosefilter verbundenen Vor- und Nachteile dargelegt. Selbstverständlich werden auch die den Diskus betreffenden physiologischen Gesichtspunkte erläutert; ein Punkt, den man als verantwortungsbewusster Tierhalter und Züchter immer in den Vordergrund stellen sollte.
Vorab möchte ich jedoch schon an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ein Osmosefilter die biologische Filterung eines Aquariums keinesfalls ersetzen kann.
Im Anhang werden noch ein paar Internetadressen angegeben, die weitere Informationen rund um den Osmosefilter enthalten und u.a. auch mir bei der Konzeptionierung meiner zwei im Betrieb befindlichen Osmosefilter eine große Hilfestellung waren. Auf diesem Wege möchte ich den Betreibern dieser Homepages herzlich danken, dass sie Ihr Wissen und ihre persönlichen Erfahrungen der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.

Aufbau u. Funktion:

Ein Osmosefilter ist ein mechanischer Filter, bei dem das Aquarienwasser mit Hilfe einer Pumpe durch eine Umkehrosmosemembran gedrückt wird und dadurch ein Teilwasserstrom von nahezu allen chemischen und biologischen Substanzen befreit. Dabei ist Voraussetzung, dass das Aquarium einen Überlauf besitzt, der in einen Konzentratbehälter mündet. Aus diesem Konzentratbehälter wird mittels einer Druckerhöhungspumpe das Wasser durch eine Umkehrosmosemembran gedrückt, das Permeat (gesäubertes Wasser geringer Leitfähigkeit) wird ins Aquarium, das Konzentrat in den Konzentratbehälter geleitet. Da das Wasser im Aquarium durch diese ständige Demineralisierung immer weicher werden würde, sind entsprechende Gegenmaßnahmen zu treffen, damit die Grundversorgung der Aquarienbiologie (Fische/ Pflanzen/Mikrobiologie) mit Mineralien und Spurenelementen erhalten bleibt.
Weiterhin muss der ständigen Aufmineralisierung im Konzentratbehälter entgegengewirkt werden, da ansonsten die Osmosemembran verblocken würde.
Selbstverständlich können auch mehrere Aquarien mit einem Osmosefilter betrieben werden, jedoch setzt es voraus, dass sie miteinander gekoppelt sind, z.B. durch ein gemeinsames Filterbecken. Dazu müsste dann ein Überlauf vom Filterbecken zum Konzentratbehälter vorhanden sein.
Zuletzt geändert von Markus am 18. Feb 2005 10:19, insgesamt 2-mal geändert.
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Osmosefilter Teil 2

Beitragvon Markus » 13. Feb 2005 21:23

Bauteile
KB Konzentratbehälter
F1 Vorfilter (Grob)
P1 Druckerhöhungspumpe
D1 Druckanzeige vor Filtern
F2 Zwischenfilter (Mittel)
F3 Nachfilter (Fein)
D2 Druckanzeige nach Filtern
M1 Osmosemembran
V1 Drosselventil
AQ Aquarium

Leitungsstränge
a Strang KB - M1
b Permeat M1 ins AQ
c Konzentrat M1 in KB
d Überlauf AQ - KB
e Frischwasserzulauf ins AQ
f Überlauf KB - Abwassernetz
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Beitragvon Markus » 13. Feb 2005 21:26

Die Druckerhöhungspumpe P1 saugt aus dem Konzentratbehälter KB über einen groben Vorfilter F1 Wasser an. Ideal ist es, wenn die P1 unterhalb des Wasserstandes des KB positioniert wird, da das Wasser durch Falldruck zur Pumpe gelangt.
Nach der P1 ist eine Druckanzeige (Manometer) hilfreich, um die Funktion zu überwachen. Danach fließt das Wasser durch einen Zwischenfilter F2, um anschließend über einen Feinfilter F3 und eine zweite Druckanzeige D2 zur Osmosemembran M1 zu gelangen.
Hier wird das Wasser nun durch die Osmosemembran geleitet und in einen Permeatstrang c und einen Konzentratstrang d geteilt. Das Permeat wird ins Aquarium AQ geleitet und stellt das bekannte „Osmosewasser“ dar, was ja sehr mineralarm ist, also auch arm an Nitrat- und Phosphationen ist, deren Gehalt gern zur Beurteilung der Schadstoffbelastung herangezogen werden. Das Konzentrat geht zurück in den Konzentratbehälter KB. Würde man das Ganze nun wie zuvor beschrieben über mehrere Tage laufen lassen, würde sich im AQ ein sehr niedriger Leitwert einstellen und im KB würde der Leitwert so hoch steigen, dass die Membran verblocken würde. Um dies zu umgehen, gibt es zwei Möglichkeiten. Die einfachste und m.E. auch beste Möglichkeit besteht darin, dem AQ permanent (oder zumindest regelmässig) Leitungswasser zuzuführen (f).Hierfür muss man jedoch einerseits einen Wasseranschluss in der Nähe des AQ haben und der Konzentratbehälter über einen Überlauf verfügen, der einen abschüssigen Anschluss an die Kanalisation hat, ansonsten würde der Konzentratbehälter überlaufen. In den ersten zwei – drei Wochen muss der Leitwert im Konzentratbehälter regelmäßig überwacht werden und das darin befindliche Wasser zum Teil gegen Osmosewasser bzw. Leitungswasser getauscht werden, um eine zu starke Aufkonzentrierung zu vermeiden. Hat sich im AQ erst einmal ein niedriger Leitwert eingestellt, so ist es bei richtiger Auslegung der Anlage nicht mehr nötig, das Wasser im Konzentratbehälter zwischendurch zu wechseln, da das nachströmende Wasser aus dem AQ-Überlauf (a) der zu starken Aufkonzentrierung entgegenwirkt.
Hat man keinen Wasseranschluss in der Nähe und keine Möglichkeit, überschüssiges Konzentrat ins Abwasser zu führen wird es natürlich komplizierter. Dann müsste mindestens ein Schlauch verlegt werden, der im Wechsel einen Teil des Konzentrates forttransportieren würde und danach in anderer Richtung den Behälter mit Leitungswasser oder Osmosewasser füllt. Für eine sichere Funktion würde man kaum umhin kommen, einen Niveauschalter einzusetzen, der den Minimum- sowie den Maximumlevel des Konzentratbehälters erfasst und zwei Magnetventile, die das Zu- und Abschalten der Behälterleerung und –befüllung realisieren. Zuletzt wird noch eine entsprechende Steuerung benötigt, die die Magnetventile in Abhängigkeit vom Niveauschalter in zeitlich einstellbaren Intervallen ansteuert. Alles in allem also mit deutlichem Aufwand verbunden.
Im weiteren Verlaufe dieses Artikels wird davon ausgegangen, dass eine permanente Menge Leitungswasser zugeführt wird.
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Osmosefilter Teil 4

Beitragvon Markus » 13. Feb 2005 21:28

Komponenten und deren Auslegung:

Bei der Bestimmung der Konzentratbehältergröße sollte man in Betracht ziehen, dass speziell in der Einfahrphase der Leitwert im KB sehr schnell in die Höhe geht. Je größer er also ausgelegt ist, desto mehr Zeit hat man, das Wasser zu wechseln, ohne dass man Gefahr läuft, dass die Osmosemembran verblockt. Als Anhaltswert sollte man hier nicht für längere Zeit einen Leitwert von 1000 µS/cm überschreiten, anders kann es bei teureren Brackwassermembranen sein. Es empfiehlt sich die Rücksprache mit dem Hersteller bzgl. der Grenzwerte. Da die Leitfähigkeit im AQ am Anfang immer mehr zurückgeht, geht auch nach einigen Tagen der Leitwert im Konzentratbehälter soweit zurück, dass kein zusätzlicher Wechsel des Wassers im KB mehr notwendig ist. Nach einigen Wochen hat sich der Leitwert im AQ und KB auf einen recht konstant bleibenden Wert eingependelt.
Ich selbst betreibe zwei Osmosefilter und habe daran jeweils einen 30 l-KB, was ich als untere Grenze für ein mit permanenter Leitungswasserzufuhr ausgestattetes System erachte.

Als Faustregel für die Dimensionierung der Umkehrosmosemembran sollte eine Permeattagesleistung der Osmosemembran von ca. 15-30 % der Gesamtwassermenge des Systems ohne Konzentratbehälter angestrebt werden. Je größer die anfallenden Schadstoffe sind (z.B. in einer stark besetzten Aufzuchtanlage), desto größer sollte die Leistung bemessen werden. Das über das Drosselventil V1 einzustellende Permeat-Konzentratverhältnis sollte kalkulatorisch mit 1:4 angenommen werden, beim Anfahren der Anlage mit höherem Leitwert im AQ sollte mit noch kleineren Verhältnissen von 1:6 gearbeitet werden. Ein zu großes Verhältnis (z.B. 1:2) könnte zu einer vorzeitigen Verblockung der Membran führen. Finanziell gesehen spielt das Verhältnis hierbei auch keine Rolle, da das Konzentrat zum größten Teil erhalten bleibt, im Gegensatz zur „normalen“ Verwendung einer Umkehrosmoseanlage, wo das Konzentrat ja meist Abwasser ist. Bzgl. der Membranqualität können durchaus sehr preiswerte Umkehrosmosemembranen eingesetzt werden. Ob die Rückhalterate bei dem System nun bei 98% oder 93 % liegt, spielt keine so große Rolle. Da die Anlage permanent betrieben werden sollte (wie auch jeder andere Filter), so ist auch das Membranmaterial nicht kriegsentscheident. Eine permanente Nutzung kombiniert mit einer sinnvollen Vorfilterung verhindert eine bakterielle Zersetzung des Membranmaterials.

In direktem Zusammenhang mit der Auslegung der Osmosemembran muss die Auslegung der Druckerhöhungspumpe erfolgen, da der Wirkungsgrad der Membran bzgl. Permeatleistung und Restmineralanteil mit steigendem Druck zunimmt. Es sollte daher ein sich einstellender Druck von mind. 4 bar angestrebt werden, natürlich darf dabei der maximal zulässige Druck aller Komponenten nicht außer acht gelassen werden.
Zum Einsatz kommen elektrisch betriebene Membranpumpen. Hersteller sind u.a. Shurflo, Aquatec und Upright. Ich selbst habe eine Aquatec CDP 8800 und eine Upright UP 7000 im Einsatz. Beide arbeiten mit 24 VDC. Die Leistung solcher Pumpen liegen bei etwa 20-30 W und fallen daher vom Stromverbrauch im Vergleich zu anderen Stromverbrauchern wie z.B. Beleuchtung und Heizung nur unwesentlich ins Gewicht. Die Upright-Pumpe wird von mir bevorzugt, da sie sehr leise arbeitet.
Zur Auslegung der Pumpe dient die vom Pumpenhersteller/-händler zur Verfügung zu stellende Pumpenkennlinie, die Vorgehensweise wird später beschrieben.

Anhand zweier Beispiele soll die Vorgehensweise der Auslegung von Membran und Pumpe verdeutlicht werden:

Ermittlung der Pumpenfördermenge für Beispiel 1:
Wohnzimmer-AQ mit 800 l Inhalt, mäßig besetzt, Leitwert Ausgangswasser = 400 µS/cm.
Aufgrund des mäßigen Besatzes wird eine Permeatmenge von 20 % des Gesamtvolumens gewählt, was einer Osmosemembran mit einer Tagesleistung von 160 l Permeat (20 % von 800 l Ausgangswasser) entspricht. Für die Auslegung der Druckerhöhungspumpe muss natürlich auch das Konzentrat mit berücksichtigt werden. Geht man hierbei von einem Verhältnis von 1:4 aus, so muss die Pumpe eine Wassermenge von 160 l (Permeat)+ 4 x 160 l (Konzentrat) pro Tag fördern, also 800 l/d (Liter/Tag), das sind ~33,3 l/h (Liter/Stunde durch Teilen durch 24) und ~0,55 l/min (Liter/Minute durch Teilen durch 60). Mit diesem ermittelten Wert geht man in Kennlinien geeignet erscheinender Pumpen und sucht sich eine passende Pumpe heraus.
Die Vorgehensweise ist folgende und kann anhand nachfolgender Beispielkennlinie verfolgt werden: An der senkrechten Y-Achse wird vom Wert 0,55 l/min ein waagerechter Strich (gestrichelt dargestellt) bis zur Kennlinie gezogen (rot dargestellt) und von dort senkrecht ein Strich zur X-Achse. Hier wird der zur Fördermenge entsprechende Druck abgelesen, in diesem Falle ca. 6,2 bar. Dies ist der sich theoretisch einstellende Druck an der Pumpe bei einer Förderleistung von 0,55 l/min. Da in den Schläuchen und Filtern auch noch etwas Druck verloren geht, würde diese beispielhafte Pumpe schon passen. IdR. sind die meisten käuflichen Schläuche für Osmoseanlagen für einen Betrieb von mind. 6 bar zugelassen, sicherheitshalber sollte man den Konzentratanteil am Drosselventil V1 durch Aufdrehen etwas höher einstellen, dann nimmt der Druck ab, da sich die Fördermenge erhöht. Sinnvoll ist eine Druckanzeige (Manometer) vor den Filtern, wie in Schema 1 dargestellt. Hieran kann man den vor den Filtern existierenden Maximaldruck der Anlage ablesen und einschreiten, wenn sich ein höherer Druck einstellt als 6 bar (z.B. bei zusitzenden Filtern F2/F3).
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Osmosefilter Teil 5

Beitragvon Markus » 13. Feb 2005 21:31

Beispielkennlinie einer Druckerhöhungspumpe
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Osmosefilter Teil 6

Beitragvon Markus » 13. Feb 2005 21:31

Zur Ergänzung ist noch darauf hinzuweisen, dass in Deutschland die zwar veraltete, aber dennoch gebräuchliche Druckeinheit bar vorherrschend ist, vielfach aber die Pumpen aus den USA kommen, wo Drücke häufig in psi angegeben werden. Um auf bar umzurechnen, muss der psi-Wert durch 14,5 geteilt werden, denn 1 bar sind ~14,5 psi (genau 14,5037).

Ermittlung der Pumpenfördermenge für Beispiel 2:
Aufzuchtanlage mit drei AQ´s a 400 l, zwei AQ´s mit 250 l, sowie ein Zentralfilterbecken a 160 l. In Summe also 1860 l Inhalt, stark besetzt,
Leitwert Ausgangswasser = 700 µS/cm
Aufgrund des starken Besatzes wird eine Permeatmenge von 30 % des Gesamtvolumens gewählt, was einer Osmosemembran mit einer Tagesleistung von 558 l Permeat (30 % von 1860 l Ausgangswasser) entspricht. Sollte man die entsprechende Membran nicht bekommen, oder hat man noch eine Kleinere, die man gern verwenden möchte, so kann man auch zwei Membranen parallel schalten...
Auch hierbei geht man von einem Verhältnis von 1:4 aus, benötigt zur Auslegung der Pumpe also das 5-fache an Fördermenge. Hier sind es 2790 l/d, 116,25 l/h und ~1,93 l/min.
Die weitere Vorgehensweise wäre wie in Beispiel 1, jedoch müsste hierbei eine größere Pumpe gewählt werden, da die beispielhafte Pumpe bei der benötigten Förderleistung keinen brauchbaren Druck liefern würde.

Nicht unterschätzt werden dürfen die notwendigen mechanischen Zusatz-Filter (F1, F2, F3 in Schema 1). Der Vorfilter (F1) sollte grobe Verunreinigungen aus dem Konzentratbehälter zurückhalten, die die Pumpe zerstören könnten. Er sollte auf jeden Fall eine große Aufnahmekapazität besitzen und darf sich nicht schnell zusetzen. Die Pumpe sollte nahezu widerstandsfrei ansaugen können, da sie sonst vorzeitig verschleißen würde. Für den Zwischenfilter haben sich bei mir sogenannte Kerzenfilter bewährt. In der Größe 10“x 2,5“ und einer Maschenweite von 25 µm nehmen sie einen Großteil Verunreinigungen auf, die den Vorfilter passiert haben. Die letzte mechanische Reinigung vor der Membran findet im Nachfilter (F3) statt.
Er hat bei mir die gleichen Abmaße wie F2, ist aber in seiner Maschenweite mit nur noch 5 µm wesentlich feiner. Mit dieser Art von Filterung erreiche ich Standzeiten von 6 Monaten für die Patronen in F2 und F3. Bei durchsichtigen Filtergehäusen ist der Verschmutzungsgrad sehr einfach zu erkennen. Von sogenannten Inlinefiltern (Filterelement in Kartusche gekapselt) möchte ich abraten, da sie auf Dauer einerseits teurer sind, andererseits auch undurchsichtig sind und daher eine Beurteilung des Verschmutzungsgrades nicht erkennbar ist.
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Osmosefilter Teil 7

Beitragvon Markus » 13. Feb 2005 21:33

Das Drosselventil dient dazu, das Permeat-Konzentratverhältnis einzustellen und ist überaus sinnvoll, da man hiermit das Verhältnis so einstellen kann, dass die Membran nicht verblockt. Weiterhin kann man hiermit den sich einstellenden Leitwert im AQ beeinflussen. Zum Einsatz kommen sollte ein feinfühliges Nadelventil, was zum Teil schon Bestandteil des Osmosemembrangehäuses ist. Wer eine Membran mit fest eingestelltem Verhältnis hat, der sollte diese Drossel (meist eine geometrische Verengung in der Verschraubung des Konzentratschlauches) entfernen und ein Nadelventil nachrüsten.

Einstellung des Leitwertes im AQ:
Je höher der Permeatanteil am Drosselventil eingestellt wird, desto niedriger geht der Leitwert im AQ. Natürlich hängt die Einstellung auch noch stark von der Menge und der Leitfähigkeit der Frischwasserzufuhr ab. Zudosierungen von Mineralien und Pflanzendüngern, Futtereintrag sowie die Verdunstung des Wassers aus dem AQ speziell bei oben offenen AQ´s erhöhen zusätzlich den Leitwert.
Die Berechnung all dieser Faktoren würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, daher folgt eine einfache Faustformel, die hinreichend genau ist, den sich theoretisch ergebenden Leitwert im AQ zu bestimmen:

Siehe Formel 1 im Anhang...

Variable: LF = Leitfähigkeit in µS/cm
V = Volumen des Wassers in l
Indizee: AQ = Aquarium
FW = Frischwasser
Pe = Permeat

Setzt man beispielsweise hier also eine tägliche Frischwassermenge von = 30 l/d ein mit einer Leitfähigkeit von = 400 µS/cm, so ergibt sich unter Annahme einer Leitfähigkeit des Permeates von 20 µS/cm eine Leitfähigkeit im Aquarium von theoretisch 80 µS/cm.
In der Praxis muss man mit einer Leitwertzunahme von ca. 5-15 % aus zuvor genannten Gründen rechnen, daher würde man auf Leitwerte von 84-92 µS/cm kommen.

Stellt man o.a. Formel nach VFW um, so kann man die Menge an Frischwasserzufuhr bestimmen, die täglich notwendig ist, um einen gewünschten Leitwert zu erhalten.

Siehe Formel 2

Mit o.g. Zahlen und einem Wunschleitwert von 150 µS/cm (für einzugeben) wäre eine tägliche Frischwassermenge von 83,2 l erforderlich.
Sicherlich ist der Verbrauch bei diesem Wunschleitwert zu hoch, aber dafür ist ja das Drosselventil gut. Man dreht es einfach etwas mehr auf und reduziert die Permeatmenge und schon kommt man auch mit der benötigten Frischwasserzufuhr herunter. Schließlich möchte man seine laufenden Kosten ja reduzieren und nicht in die Höhe treiben.

Vor- und Nachteile des Osmosefilters:

Der größte für den Halter selbst körperlich spürbare Vorteil ist natürlich der nicht mehr notwendige manuelle Wasserwechsel. So hat man mehr Zeit, Fische, Pflanzen und Aquarien zu pflegen.
Ein weiterer Vorteil liegt in der nicht zu verachtenden Ersparnis an Wasser und Heizenergie, letztendlich werden nur Bruchteile des Wassers verbraucht, die täglich „gewechselt“ werden. Und nur dieser Bruchteil muss wieder auf Aquarientemperatur gebracht werden.
Misst man im Aquarium die Wasserbelastungsmarker Phosphat und Nitrat, so wird man feststellen, dass sie sich in Bereichen weniger Milligramm bewegen.
Wer Befürchtungen hat, dass der pH-Wert durch den Osmosefilter aufgrund der niedrigen Karbonatwerte zu sehr absinkt, kann etwas Calciumcarbonat (gibt es aus dem Seewasserbereich granulatförmig) in den konventionellen Filter einsetzen, das mit Hilfe von den im Wasser befindlichen CO2 zu geringen Mengen Calciumhydrogencarbonat umgewandelt wird. Man darf nicht außer acht lassen, dass der Osmosefilter nicht nur die säurepuffernden Karbonate herausfiltert, sondern natürlich auch die Säuren. Auch der Zusatz von Natriumhydrogencarbonat und diverse Mittel aus dem Aquaristikfachhandel heben den pH-Wert an, bei mir ist das allerdings bisher nicht notwendig geworden.
Für die Fische ist natürlich das weiche und gleichbleibend von hoher Qualität verfügbare Wasser der größte Vorteil.
Blickt man einige Jahre zurück, so konnte man feststellen, dass sehr viele Händler und Züchter damit warben, dass ihre Tiere in Leitungswasser gezogen wurden. Abgesehen davon, dass Leitungswasser bzgl. der Wasserwerte ein sehr dehnbarer Begriff ist und damit zwischen sehr weich und sehr hart so ziemlich alles vorkommen kann, halte ich es für einen Weichwasserfisch nicht für erstrebenswert, in hartem Wasser gepflegt zu werden und ich bin froh, dass in dieser Richtung ein Umdenken deutlich zu erkennen ist.
Weichwasserfische wie unser Diskus stellen bzgl. der Wasserwerte hohe Ansprüche. Sie sind sehr robust, solange man diesen hohen Ansprüchen gerecht wird. Eine zu hohe Wasserhärte macht den Fisch anfälliger und verkürzt auch seine Lebenserwartung. Der Salzgehalt im Inneren von Süsswasserfischen ist höher als im ihn umgebenden Wasser. Da weicheres Wasser bei gleichen Druckverhältnissen immer in Richtung des härteren Wassers strömt (Osmoseprinzip), nimmt der Diskus ständig Wasser über Haut und Kiemen auf und scheidet es über die Nieren wieder aus, zusammen mit überschüssigen anderen Mineralien (auch Schwermetalle, die sich gern im Fischgewebe anreichern!). Mit steigender Wasserhärte nimmt das Eindringen des Wassers in den Fisch ab und daher auch das Ausscheiden von Mineralien und Schadstoffen. Nachgewiesen ist, dass speziell Calcium dabei ein großes Problem darstellt. Wenn das Calcium nicht mehr ausreichend ausgeschieden werden kann, so lagert es sich als Calciumphosphat kristallförmig in den Nierenkanälen ab und verstopfen diese mit der Zeit, was über längere Zeit zu einem Ausfall der Nieren führt und als Nephrocalcinose bezeichnet wird [1]. Ein richtig dimensionierter Osmosefilter stellt ein naturnahes Wasser bereit und elimiert dieses Problem daher komplett.
Nach so vielen Vorteilen möchte ich natürlich auch die Nachteile eines Osmosefilters nicht verheimlichen, wobei hierbei eigentlich nur der Anschaffungspreis zu nennen ist, der bei 300 € für eine kleine Anlage beginnt, Selbstmontage und handwerkliches Geschick vorausgesetzt. Rechnet man dann aber gesunkene Wasser- und Stromkosten dagegen, kann sich eine solche Anlage schon in Zeiträumen von unter einem Jahr amortisiert haben. Das sollte jeder für sich einfach mal durchrechnen, denn Wasser ist recht teuer geworden und man zahlt es zweimal, als Trinkwasser und als Abwasser. Die gesparten Kosten für Strom, Medikamente, Fischneukauf usw. sind quantitativ nicht so einfach zu erfassen, aber auch in dieser Richtung wird sicher einiges erreicht, da den Tieren wesentlich bessere Hälterungsbedingungen geboten werden; ein Aspekt, der auf keinen Fall allein vom Geld abhängen darf.

Schlussbetrachtung:

Der Osmosefilter ist also alles in allem eine lohnenswerte Sache, leider konnte in diesem Artikel nicht alles behandelt werden, da es ein sehr umfangreiches Thema ist. Diejenigen, die sich schon mehr mit dem Thema auseinandergesetzt haben, werden vielleicht festgestellt haben, dass ich nicht auf ein automatisches Spülventil eingegangen bin. Das rührt einfach daher, dass ich bei meinen zwei Anlagen keins benutze und daher zumindest unter meinen Verhältnissen als überflüssig anzusehen wäre. Weiterhin bin ich auch nicht darauf eingegangen, dass Einige keinen Wasserzu- und Ablauf in Aquariennähe haben. Das halte ich für einen großen Nachteil, allerdings ist mit einigem Mehraufwand auch dieses Problem meist zu lösen. Mehr Informationen und Erfahrungen zum Thema Osmosefilter können auf folgenden Homepages nachgelesen werden:

1.)www.ibdoerre.com/aqua/norbert/technik/filtertechnik/osmosefilter/osmosefilter.htm
2.)www.ohligers.de/Osmosefilter.htm
3.)www.klump.org/Aquarium/weiteres/UA_Filter/ua_filter.html

Literatur:
[1] Bauer, Roland: Erkrankungen der Aquarienfische / Tierärztliche Heimtierpraxis 4, Verlag Paul Parey
Zuletzt geändert von Markus am 13. Feb 2005 21:38, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitragvon Markus » 28. Aug 2008 09:16

Leitfähigkeit
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Beitragvon Markus » 28. Aug 2008 09:18

Frischwasserzufuhr
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