von Markus » 13. Feb 2005 21:33
Das Drosselventil dient dazu, das Permeat-Konzentratverhältnis einzustellen und ist überaus sinnvoll, da man hiermit das Verhältnis so einstellen kann, dass die Membran nicht verblockt. Weiterhin kann man hiermit den sich einstellenden Leitwert im AQ beeinflussen. Zum Einsatz kommen sollte ein feinfühliges Nadelventil, was zum Teil schon Bestandteil des Osmosemembrangehäuses ist. Wer eine Membran mit fest eingestelltem Verhältnis hat, der sollte diese Drossel (meist eine geometrische Verengung in der Verschraubung des Konzentratschlauches) entfernen und ein Nadelventil nachrüsten.
Einstellung des Leitwertes im AQ:
Je höher der Permeatanteil am Drosselventil eingestellt wird, desto niedriger geht der Leitwert im AQ. Natürlich hängt die Einstellung auch noch stark von der Menge und der Leitfähigkeit der Frischwasserzufuhr ab. Zudosierungen von Mineralien und Pflanzendüngern, Futtereintrag sowie die Verdunstung des Wassers aus dem AQ speziell bei oben offenen AQ´s erhöhen zusätzlich den Leitwert.
Die Berechnung all dieser Faktoren würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, daher folgt eine einfache Faustformel, die hinreichend genau ist, den sich theoretisch ergebenden Leitwert im AQ zu bestimmen:
Siehe Formel 1 im Anhang...
Variable: LF = Leitfähigkeit in µS/cm
V = Volumen des Wassers in l
Indizee: AQ = Aquarium
FW = Frischwasser
Pe = Permeat
Setzt man beispielsweise hier also eine tägliche Frischwassermenge von = 30 l/d ein mit einer Leitfähigkeit von = 400 µS/cm, so ergibt sich unter Annahme einer Leitfähigkeit des Permeates von 20 µS/cm eine Leitfähigkeit im Aquarium von theoretisch 80 µS/cm.
In der Praxis muss man mit einer Leitwertzunahme von ca. 5-15 % aus zuvor genannten Gründen rechnen, daher würde man auf Leitwerte von 84-92 µS/cm kommen.
Stellt man o.a. Formel nach VFW um, so kann man die Menge an Frischwasserzufuhr bestimmen, die täglich notwendig ist, um einen gewünschten Leitwert zu erhalten.
Siehe Formel 2
Mit o.g. Zahlen und einem Wunschleitwert von 150 µS/cm (für einzugeben) wäre eine tägliche Frischwassermenge von 83,2 l erforderlich.
Sicherlich ist der Verbrauch bei diesem Wunschleitwert zu hoch, aber dafür ist ja das Drosselventil gut. Man dreht es einfach etwas mehr auf und reduziert die Permeatmenge und schon kommt man auch mit der benötigten Frischwasserzufuhr herunter. Schließlich möchte man seine laufenden Kosten ja reduzieren und nicht in die Höhe treiben.
Vor- und Nachteile des Osmosefilters:
Der größte für den Halter selbst körperlich spürbare Vorteil ist natürlich der nicht mehr notwendige manuelle Wasserwechsel. So hat man mehr Zeit, Fische, Pflanzen und Aquarien zu pflegen.
Ein weiterer Vorteil liegt in der nicht zu verachtenden Ersparnis an Wasser und Heizenergie, letztendlich werden nur Bruchteile des Wassers verbraucht, die täglich „gewechselt“ werden. Und nur dieser Bruchteil muss wieder auf Aquarientemperatur gebracht werden.
Misst man im Aquarium die Wasserbelastungsmarker Phosphat und Nitrat, so wird man feststellen, dass sie sich in Bereichen weniger Milligramm bewegen.
Wer Befürchtungen hat, dass der pH-Wert durch den Osmosefilter aufgrund der niedrigen Karbonatwerte zu sehr absinkt, kann etwas Calciumcarbonat (gibt es aus dem Seewasserbereich granulatförmig) in den konventionellen Filter einsetzen, das mit Hilfe von den im Wasser befindlichen CO2 zu geringen Mengen Calciumhydrogencarbonat umgewandelt wird. Man darf nicht außer acht lassen, dass der Osmosefilter nicht nur die säurepuffernden Karbonate herausfiltert, sondern natürlich auch die Säuren. Auch der Zusatz von Natriumhydrogencarbonat und diverse Mittel aus dem Aquaristikfachhandel heben den pH-Wert an, bei mir ist das allerdings bisher nicht notwendig geworden.
Für die Fische ist natürlich das weiche und gleichbleibend von hoher Qualität verfügbare Wasser der größte Vorteil.
Blickt man einige Jahre zurück, so konnte man feststellen, dass sehr viele Händler und Züchter damit warben, dass ihre Tiere in Leitungswasser gezogen wurden. Abgesehen davon, dass Leitungswasser bzgl. der Wasserwerte ein sehr dehnbarer Begriff ist und damit zwischen sehr weich und sehr hart so ziemlich alles vorkommen kann, halte ich es für einen Weichwasserfisch nicht für erstrebenswert, in hartem Wasser gepflegt zu werden und ich bin froh, dass in dieser Richtung ein Umdenken deutlich zu erkennen ist.
Weichwasserfische wie unser Diskus stellen bzgl. der Wasserwerte hohe Ansprüche. Sie sind sehr robust, solange man diesen hohen Ansprüchen gerecht wird. Eine zu hohe Wasserhärte macht den Fisch anfälliger und verkürzt auch seine Lebenserwartung. Der Salzgehalt im Inneren von Süsswasserfischen ist höher als im ihn umgebenden Wasser. Da weicheres Wasser bei gleichen Druckverhältnissen immer in Richtung des härteren Wassers strömt (Osmoseprinzip), nimmt der Diskus ständig Wasser über Haut und Kiemen auf und scheidet es über die Nieren wieder aus, zusammen mit überschüssigen anderen Mineralien (auch Schwermetalle, die sich gern im Fischgewebe anreichern!). Mit steigender Wasserhärte nimmt das Eindringen des Wassers in den Fisch ab und daher auch das Ausscheiden von Mineralien und Schadstoffen. Nachgewiesen ist, dass speziell Calcium dabei ein großes Problem darstellt. Wenn das Calcium nicht mehr ausreichend ausgeschieden werden kann, so lagert es sich als Calciumphosphat kristallförmig in den Nierenkanälen ab und verstopfen diese mit der Zeit, was über längere Zeit zu einem Ausfall der Nieren führt und als Nephrocalcinose bezeichnet wird [1]. Ein richtig dimensionierter Osmosefilter stellt ein naturnahes Wasser bereit und elimiert dieses Problem daher komplett.
Nach so vielen Vorteilen möchte ich natürlich auch die Nachteile eines Osmosefilters nicht verheimlichen, wobei hierbei eigentlich nur der Anschaffungspreis zu nennen ist, der bei 300 € für eine kleine Anlage beginnt, Selbstmontage und handwerkliches Geschick vorausgesetzt. Rechnet man dann aber gesunkene Wasser- und Stromkosten dagegen, kann sich eine solche Anlage schon in Zeiträumen von unter einem Jahr amortisiert haben. Das sollte jeder für sich einfach mal durchrechnen, denn Wasser ist recht teuer geworden und man zahlt es zweimal, als Trinkwasser und als Abwasser. Die gesparten Kosten für Strom, Medikamente, Fischneukauf usw. sind quantitativ nicht so einfach zu erfassen, aber auch in dieser Richtung wird sicher einiges erreicht, da den Tieren wesentlich bessere Hälterungsbedingungen geboten werden; ein Aspekt, der auf keinen Fall allein vom Geld abhängen darf.
Schlussbetrachtung:
Der Osmosefilter ist also alles in allem eine lohnenswerte Sache, leider konnte in diesem Artikel nicht alles behandelt werden, da es ein sehr umfangreiches Thema ist. Diejenigen, die sich schon mehr mit dem Thema auseinandergesetzt haben, werden vielleicht festgestellt haben, dass ich nicht auf ein automatisches Spülventil eingegangen bin. Das rührt einfach daher, dass ich bei meinen zwei Anlagen keins benutze und daher zumindest unter meinen Verhältnissen als überflüssig anzusehen wäre. Weiterhin bin ich auch nicht darauf eingegangen, dass Einige keinen Wasserzu- und Ablauf in Aquariennähe haben. Das halte ich für einen großen Nachteil, allerdings ist mit einigem Mehraufwand auch dieses Problem meist zu lösen. Mehr Informationen und Erfahrungen zum Thema Osmosefilter können auf folgenden Homepages nachgelesen werden:
1.)www.ibdoerre.com/aqua/norbert/technik/filtertechnik/osmosefilter/osmosefilter.htm
2.)www.ohligers.de/Osmosefilter.htm
3.)www.klump.org/Aquarium/weiteres/UA_Filter/ua_filter.html
Literatur:
[1] Bauer, Roland: Erkrankungen der Aquarienfische / Tierärztliche Heimtierpraxis 4, Verlag Paul Parey
Zuletzt geändert von Markus am 13. Feb 2005 21:38, insgesamt 2-mal geändert.