Hallo zusammen,
wie mit Martin bereits abgesprochen, habe ich euch mal eine kleine Dokumentation zusammengestellt. Ich hoffe diese gefällt euch:
Meine ersten Erfahrungen mit dem Nachziehen von Diskusfischen
Ein kleine Darstellung von einem fortgeschritten Diskushalter, aber einem absoluten Einsteiger in Bezug auf Diskusnachzucht, daher resultiert der Inhalt dieses Berichtes zu mind. 80% von den Ratschlägen der erfahrenen Züchter aus dem Diskusportal.
Der Wunsch oder wie alles anfing
Sicherlich bin ich nicht der einzige bei dem dies so oder zumindest sehr ähnlich angefangen hat. Nach zwei Jahren (meistens) erfolgreicher Diskushaltung (auch hier noch einmal ein großes Dankeschön an die geduldigen Mitglieder des Diskusportals) durfte ich immer wieder in meinem Gesellschaftsbecken das ein oder andere Pärchen beim laichen beobachten. Wodurch mein anfänglich nicht vorhandener Wunsch des Nachziehens geboren und von mal zu mal verstärkt wurde.
Im Gesellschaftsbecken haben die Pärchen es aber leider nie weiter als zum Freischwimmen der Larven gebracht, da ich unter anderem keine räumliche Trennung (z.B. mit Hilfe eines feinmaschigen Netzes oder Filterschwammes) vorgenommen habe. Andere Mitglieder des Forums konnten mit dieser Trennung bereits erfolgreich nachziehen.
Der Aufwand und die Verantwortung (okay in Wirklichkeit meine Gattin) haben mich aber lange Zeit davon abgehalten dieses „Projekt“ zu starten.
Bevor es los geht
… sollte man sich unbedingt darüber im klaren sein, dass das nachziehen (verwende absichtlich dieses Wort, da „Zucht“ meines Erachtens nach bei meinem Vorhaben übertrieben wäre zu verwenden) wirklich eine Menge Arbeit ist und nicht zu unterschätzen ist!!! Kommerzielle Gedanken, weil Diskusbuntbarsche ja so wertvoll sind, sollte man von vorne herein verwerfen, da es im besten Falle in so kleinem Stil kostendeckend ist. Weiterhin sollte man sich darüber im klaren sein, dass aus einer Brut auch schon mal 200-300 Jungfische (wenn man alles richtig macht) entstehen können. Dies bedeutet entweder jede Menge Aquarien zu Hause aufstellen (Faustformel: 50l Wasser pro Diskus) oder eine Möglichkeit finden die Fische abzugeben und dies am besten bevor man die Love-Lounge der Fische frei gibt.
Zu den Hauptaufgaben gehört zum Beispiel ein täglicher Wasserwechsel und 10 x am Tag die Jungfische mit möglichst lebenden Artemia füttern, dazu aber später detaillierter.
Die Hardware
Die optimale Basis liegt bei einem Zuchtwürfel (50x50x50cm) und einem Aufzuchtbecken von mind. 250l (besser mehr).
Da ich aus Platzgründen einen Kompromiss eingehen musste habe ich mich zu 2 Würfel a 50x50x50cm entschließen müssen, diese werden über ein gemeinsames Filterbecken gefiltert und zusätzlich verwende ich in jedem Becken einen Luftheberfilter, welche über eine Membranpumpe betrieben werden. Weiterhin sorgen 2 Jäger-Heizstäbe für wollige 30 Grad Celsius in den Becken.
Die Becken verfügen jeweils über 2 Bohrungen (je 1 Zulauf und je 1 Ablauf) und werden durch PVC Rohre verbunden. Bei der Verrohrung reichen die günstigen aus dem Baumarkt oder Aquariumfachgeschäft, da die Leitungen ja keinen großen Druck aushalten müssen.
Für gedämmte Stimmung sorgen tagsüber 2 schwache Leuchtbalken und Nachts jeweils 2 blaue LED-Lampen (als Mondlicht Ersatz). Zur Wasserüberwachung habe ich noch ein permanent laufendes PH-Messgerät angeschlossen. Und natürlich habe ich noch einen Laichkegel aus Ton in einem Becken stehen.
Der Boden
Auf Bodengrund jeglicher Art sollte gänzlich verzichtet werden! Worauf ich anfänglich nicht hörte und eine hauchdünne Sandschicht in beiden Würfel hatte, habe aber schnell festgestellt warum alle davon abraten! Der Boden lässt sich ohne Bodengrund wesentlich schneller und einfacher reinigen als mit Belag, weiterhin können sich im Bodengrund immer Bakterien bilden.
Das Wasser
Wie in jedem Aquarium benötigen die Filter, um stabile Wasserwerte zu erreichen, eine gewisse Einlaufzeit. Mein Filterbecken habe ich 5 Wochen einlaufen lassen bevor ich dort einen Fisch eingesetzt habe. Nachträglich habe ich die Luftheberfilter eingesetzt, welche aber auch eine Einlaufzeit von ca. 4 Wochen benötigen. Die Luftheberfilterschwämme sollten einmal wöchentlich mit lauwarmen Wasser gereinigt werden.
Um das Einlaufen der Filter zu beschleunigen habe fast alle 2 Tage Wasser aus dem Gesellschaftsbecken in die Zuchtwürfel gepumpt!
Wöchentlich kontrolliere ich folgende Wasserwerte: NO2, N03, KH und PH! Für Nitrat und Nitrit gelten die gleichen Regeln wie im Gesellschaftsbecken, am besten gar nicht. Die KH habe ich nach dem umsetzen der Fische langsam von 3 auf 1 gesenkt und den PH Wert von etwa 7,48 auf etwa 6,85 gesenkt. Das herabsenken der beiden Werte habe ich bewusst nach dem Umsetzen des Paares gemacht, damit die Fische erst mal die gleichen Wasserwerte vorfinden wie in ihrer gewohnten Umgebung. Der PH-Wert war anfänglich überraschenderweise sehr hoch, diesen habe ich mit dem herabsenken der KH und Torfgranulat, welches ich in einem Nylonstrumpf im Filterbecken platziere, in den Griff bekommen.
Da ich in Köln wohne und das Leitungswasser hier in etwa Flüssigbeton gleich zu setzen ist, filtere ich dieses über eine Umkehrosmose-Anlage und verschneide dieses Osmosewasser (KH=0) inzwischen mit einem Schuss Leitungswasser.
Der Wasserwechsel
Nachdem ich die Tiere in den Zuchtwürfel gesetzt habe, habe ich 2-3 mal die Woche einen Wasserwechsel von 30% durchgeführt und täglich den Kot und Futterreste abgesaugt und immer mit reinem Osmosewasser aufgefüllt. Trotz der vielen Eingriffe ins Becken fingen die beiden recht schnell an zu putzen und haben nach einen geeigneten Laichplatz gesucht, jede Stelle wurde genau betrachtet, nur der Laichkegel war anfänglich total uninteressant. Als es dann jedoch ernst wurde und die beiden sich dann doch für den Kegel entschlossen haben und dort gelaicht haben, habe ich nur noch vorsichtig den „Dreck“ vom Boden abgesaugt und natürlich wieder mit Osmosewasser aufgefüllt. Dies sollte man bis zur Zufütterung der Jungfische auch weiter so Händeln. Ab dann heißt es täglich Wasser wechseln.
Der Laich und wie es dann weiter geht
Vorweg möchte ich hier noch erwähnen, dass sich meines Erachtens nach ein Paar selber finden sollte und vom selben Farbschlag sein sollte. Weiterhin sollte dieses Paar nicht zu jung sein und möglichst ausgewachsen, da das Nachziehen die Tiere sehr anstrengt und sie über einen längeren Zeitraum kaum etwas zu sich nimmt.
Nachdem sich nun mein Paar gefunden hat und mehrfach im Gesellschaftsbecken abgelaicht hat und ich alles wie bisher beschrieben vorbereitet habe, durfte es dann auch endlich los gehen. Das Umsetzen hat den beiden kaum etwas ausgemacht und haben bereits nach 5-10 Minuten eine normale Atmung gehabt und haben sich keinerlei Stress anmerken lassen. Nach nicht mal einer Woche fingen sie wie bereits beschrieben im Becken alles an zu putzen was ihnen so einfiel, dies hat dann auch 2-3 Tage gedauert bis sie sich dann auf den Mittelpunkt des Beckens, wo der Laichkegel stand, geeinigt haben.
Nachdem alles schön sauber gemacht wurde ist die Dame den Kegel angeschwommen und hat ihre Eier dort angeklebt, anschließend schwamm das Männchen die Eier an und hat diese befruchtet, das haben sie solange abwechselnd wiederholt bis sie ihr Gelege komplett hatten. Nun ging für die Tiere die Strapaze erst richtig los, sie bewachten und pflegten die Eier so intensiv, dass man ihnen die Anstrengung förmlich ansah. Nach ca. zwei Tagen sind leider einige Eier verpilzt gewesen, meine Enttäuschung hielt sich aber in Grenzen da ich nur ca. 10 verpilzte Eier entdeckt habe und das Gelege sehr groß war. Diesen „Erfolg“ führe ich auf Seemandelbaumblätter zurück, wovon ich in jedem Würfel 3 Blätter mit Hilfe einer Wäscheklammer befestigt habe.
Kurz bevor die Larven schlüpften (was nach ca. 60 Stunden geschieht) ist mir jedoch ein fataler Fehler unterlaufen und zwar hat das Pärchen, was ich im Gesellschaftsbecken noch nie gesehen habe, die gesamte Brut an einer Stelle umgesetzt, wo ich sie nicht mehr sah. Vor lauter Angst das mit dem Wasser etwas nicht in Ordnung sei, habe ich dann einen sehr großzügigen Wasserwechsel vorgenommen und da ich nun im nachhinein vermute das sie die Brut an dem Absaugrohr entlang setzten, ist leider der größte Teil der Brut abgestorben! Trotz allem haben es immerhin 20 Larven geschafft und schwammen nach weiteren 60 Stunden frei im Becken.
Die kleinen Larven ernährten sich in den ersten Tagen ausschließlich von einem Sekret welches die Eltern von ihrer Haut abgegeben haben, daher wichen sie auch nicht von ihrer Seite, sondern „knabberten“ ständig ihre Eltern an.
Seit dem vierten Tag füttere ich nun lebende Artemia (später mehr dazu) zu. Dies mache ich indem ich die lebenden Artemia in einer Spritze aufziehe und an dieser einen dünnen Schlauch befestige und in die Nähe der Brut ins Becken gebe. Leider habe ich das Gefühl das sie die nun 7 Tage nach dem Freischwimmen noch nicht so annehmen wie ich es mir Wünsche, daher füttere ich diese bis Dato 4 mal täglich, werde dies aber nun täglich um eine Mahlzeit erhöhen. An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf die Dringlichkeit des täglichen Wasserwechsels hinweisen, da nicht gefressene Artemia innerhalb einer Stunde im Süßwasser absterben und das Aquariumwasser stark belasten können.
Wenn die Tiere nun 14 Tage frei schwimmen werde ich ihnen weitere Futtersorten anbieten und euch berichten wie gut sie was annehmen.
Da die Eltern sich weiterhin sehr rührend um ihre Sprösslinge kümmern und keine Anzeichen von putzen, also einer neuen Brut, machen, möchte ich die beiden insgesamt 3-4 Wochen bei ihren Jungen zu lassen. Hierbei sollte man allerdings sehr wachsam sein, denn es könnte passieren das die Eltern, falls sie ein neues Gelege machen möchten, ihre Jungfische auffressen.
Artemia
Um Artemia aufzuziehen gibt es diverse Möglichkeiten, am einfachsten geht es mit der Artemia Aufzuchtschale von Hobby, leider ist diese aber nicht so effizient wie die herkömlichen Incubator Flaschen, daher beschreibe ich euch die Aufzucht der Artemia mit Hilfe dieser Flasche:
- Incubator Flasche mit Salzwasser (auf 1l Wasser ca. 3 Teelöffel jodfreies Salz) befüllen.
- 1-2 Messerspitzen Artemia Eier mit Hilfe eines Trichters in die Flasche geben.
- Flasche auf den Kopf stellen und mit Hilfe einer Membranpumpe stark belüften. Zur Aufzucht von Jungfischen benötigt man mind. 2 Incubator Flaschen, welche man am besten mit einem Tag unterschied ansetzt.
- Nach 24-38h (abhängig von der Wassertemperatur) schlüpfen die Nauplien und sollten innerhalb eines Tages verfüttert werden, da diese schnell an Nährstoffe verlieren. Vor dem verfüttern der Artemia muss man diese von ihren Eierschalen trennen, dies macht man in dem man die Flasche schräg stellt und ca. 5 Minuten wartet bevor man die Artemia an der kleinen Öffnung der Flasche ablässt. Die Nauplien die nicht innerhalb von einem Tag verfüttert werden, kann man bedenkenlos einfrieren und zu einem späteren Zeitpunkt verfüttern.
- Diskuslarven ab dem 3-4 Tag nach dem Freischwimmen mit frisch geschlüpften und gespülten Artemia möglichst 10mal am Tag füttern.
Hierbei jedoch beachten, das die Artemia im Süßwasser max. 1 Stunde überleben und daher nur so viel füttern wie die Diskuslarven in kurzer Zeit essen. Mit Hilfe einer Spritze und einem kleinen Schlauch kann man die Artemia gleich bei der Brut platzieren.
Vorläufiges Fazit
Nun am 8.Tag der freischwimmenden Larven möchte ich euch schon mal, obwohl bei weitem noch nicht das gröbste überstanden ist, ein kleines Resümee mitteilen.
Am meisten beeindruckt mich die instinktive Hingabe und Aufopferung der Eltern, die wirklich tagelang auf Essen verzichteten um ihre Brut zu bewachen. Weiterhin finde ich die tägliche Veränderung der Jungtiere faszinierend, man kann den Kleinen beim wachsen förmlich zu sehen, sodass ich mich schon jetzt für den ganzen Aufwand entschädigt fühle. Nun hoffe ich alle gut Groß zu bekommen und lange an ihnen Freude zu haben. Von dem weiteren Verlauf werde ich euch sicherlich berichten.
Zu guter letzt möchte ich auch noch einmal darauf verweisen, dass die von mir gewählte „Hardware“ als absolute Untergrenze anzusehen ist und nicht unterschritten werden sollte.
Ich hoffe bis hier hin hat euch dieser Bericht gefallen und vielleicht sogar ein wenig geholfen. Für weitere Anregungen, Tipps und Ratschläge bin ich wie immer sehr dankbar.
Lieben Gruß Thorsten




