Diskuszucht

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Diskuszucht

Beitragvon MikeSt » 9. Feb 2005 16:50

Der Wunsch, Diskusfische nachzuzüchten, sollte nicht durch einen kommerziellen Gedanken getragen werden.
Eine Zucht sollte ausschließlich rational und geplant angegangen werden. Emotionen sollten außen vor stehen.

Unerlässlich ist ein ausreichend vorhandenes Grundwissen über die Tiere und dessen Lebensgewohnheiten. Ein Wissensfundament im Bezug auf die Abläufe der Zucht und der Aufzucht, muss vorhanden sein. Ebenfalls sollten die gängigen, messbaren Wasserparameter bekannt und bestimmbar sein.



Technische Ausrüstung:



Zur Zucht wird ein separates Zuchtbecken erfordert. Die gängigen Zuchtwürfel mit den Maßen 50 x 50 x 50, können lediglich als absolute Untergrenze angesehen werden. Die Wasserparameter sind erst ab dieser Größe einiger Maßen stabil zu halten. Besser ist es, ein größeres Aquarium zur Verfügung zu stellen. Streitigkeiten und Stress aufgrund der vorliegenden Enge, können so vermieden werden. Des Weiteren bietet ein größeres Becken die Möglichkeit, die Larven länger bei den Eltern zu belassen, da die Wasserqualität in größeren Becken stabiler zu halten ist. Ein Zuchtbecken sollte in einem separaten Raum stehen. Störungen sind zu vermeiden, weil sie in den kahlen Becken zu Stress der Tiere führen.

Die Filterung erfolgt in der Regel über einen Schwammfilter, der mittels Luftheber betrieben wird.
Topffilter oder gar Innenfilter, sind aufgrund der starken Strömungsentwicklung und der bescheidenen Filterleistung nicht zu empfehlen. Die Sogwirkung führt regelmäßig zum Verlust teilweise ganzer Bruten.

Als besonders geeignet haben sich externe Mehrkammerfilteranlagen herausgestellt. Das Ansaugrohr ist zu sichern.
Eine weitere Möglichkeit ist eine eingeklebte Filterkammer, die vom Prinzip her der Funktion des Hamburger Mattenfilters entspricht. Es wird eine optimale Filterung aufgrund der sehr großen Substratfläche bei gleichzeitig schonender Filterung erzielt.

Ähnlich gut kann ein Maximalfilter eingesetzt werden.

Bei all diesen Filterarten ist aber zu bedenken, dass sie im Becken eine dunkle Quelle darstellen. Da Larven sich nach dem Freischwimmen in erster Linie auf dunkle Stellen fixiert zeigen, kann dies zu einer Ablenkung führen, die ein Anschwimmen der Eltern verhindert. Gegebenenfalls müssen diese Filter mit hellen Kunststoffen ummantelt werden.

Ein Zuchtbecken wird in der Regel mittels eines Heizstabes geheizt. Dieser sollte ebenfalls ummantelt werden um zu verhindern, dass auf dem Heizstab ein Gelege platziert wird, oder Larven nach dem Schlupf aufgrund der Hitze Schaden nehmen.

Bei eine normalen Zucht ist mit dem Schlupf von durchschnittlich 70 - 100 Jungen zu rechnen. Gelege mit weit über 200 Jungen sind keine Seltenheit.

Es ist also unbedingt erforderlich, 2 mindestens 300 Literbecken zur Aufzucht zur Verfügung zu haben. Diese Becken müssen über eine überdurchschnittlich stark ausgelegte Filteranlage verfügen.

Trotzdem muss mit einem täglichen Wasserwechsel von mindestens 50 % gerechnet werden. Ein Wasseranschluss in der Nähe der Becken ist also notwendig.

Larven zeigen sich anfällig bei derart großen Wasserwechseln. Es ist also sinnvoll, das Wechselwasser in einem separaten Gefäß aufzubereiten.



Wasseraufbereitung:

Da ich die Wasseraufbereitung mittels eines Entsalzers für Anfänger nur bedingt geeignet halte, empfehle ich die Anschaffung einer Osmoseanlage. Diese Osmoseanlage sollte neben einem Feinfilter einen Kohlefilter aufweisen.

Als Ansprechpartner und Ratgeber im Bezug auf technische Fragen, möchte ich im Portal Jörg Gottwald empfehlen.

Zur Überprüfung des Leitwertes, der bei der Zucht eine maßgebliche Rolle spielt, ist der Besitz eines Leitwertmessgerätes zwingend erforderlich. Des Weiteren sollte der Züchter über alle Messreagenzien verfügen, um Standartwerte täglich messen zu können.

Einen Standartwert für ein Zuchtwasser gibt es nicht. Jedes Paar ist individuell zu betrachten und kann unter Umständen ein anderes Zuchtwasser verlangen.

Die KH sollte den Wert von 1 nicht überschreiten, da eine höhere KH die Embryonalentwicklung hemmt.
Da aber die KH eine Pufferfunktion gegenüber des PH- Wertes ausübt, ist eine tägliche, teilweise mehrfach tägliche Überprüfung des PH- Wertes unbedingt erforderlich. Ein plötzlicher PH- Wertabsturz kann zu Tod des Zuchtpaares führen.

Schadstoffwerte wie Nitrit oder Nitrat, sollten nicht messbar sein. Bereits Nitratwerte ab 50mg können zu einer irreparablen Schädigung im Wachstum führen. Daher ist auf die Bedeutung der Filteranlage nochmals ausdrücklich hinzuweisen.

Der PH- Wert sollte unter 7 liegen. Ein Wert von 6 kann als gut angesehen werden.
Der Leitwert sollte bei einem Wert von ca. 150 Microsiemens eingestellt werden.

Die Temperatur liegt bei Werten von 29- 30 Grad in einem günstigen Bereich.




Aufzucht:

Die Wasserparameter sind unter Aufbietung aller Disziplin in optimalen Bereichen zu halten.
Erhöhte Wasserbelastungen schon über kurze Zeit, können zu Wachstumsdeformationen führen, welche die Qualität der Tiere deutlich mindern und unter Umständen ein Verkauf unmöglich macht.

Jungtiere sind nach dem Trennen von den Eltern bis zu 8 Mal täglich zu füttern. Mehrfach täglich durchgeführte Wasserwechsel sind unerlässlich. Vitaminzugaben sollten erfolgen.

In dem Zusammenhang sind Kenntnisse über eine Artemiazucht unerlässlich.

Bei guter Aufzucht, sollten die Tiere in einem Alter von ca. 10 Wochen eine Größe von annähernd 5cm aufweisen.

Ein Verkauf unter dieser Größe ist nicht zu empfehlen.




Zusammenfassung mit persönlicher Anmerkung:



Grundkenntnisse durch gängige Literatur ist absolute Voraussetzung.

Als Mindestvoraussetzung für eine Zucht, ist das Stellen eines Zuchtbeckens und 2er ausreichend großer Becken anzusehen. Herkömmliche Filterungen sind nicht ausreichend. Es muss also um eine Anpassung der Filteranlage nachgedacht werden.

Wasseraufbereitung mittels einer Osmosenanlage ist notwendig. Ein Auffangbehälter des Osmosewassers, günstigenfalls auch des Wechselwassers, muss vorhanden und stellbar sein.

Eine bis zu 8 Mal tägliche Fütterung muss gewährleistet sein.

Wasserwechsel. Teilweise mehrfach täglich, müssen durchgeführt werden.

Die Aufzucht bis zu einer Größe, die einen Verkauf ermöglicht, liegt günstigenfalls bei mindestens 10 Wochen.



Grund dieser Abhandlung sind die immer wieder verständlichen und nachvollziehbaren Anfragen von Diskuseinsteigern, hinsichtlich der Zucht.

Die o.a. Auflistung der notwenigen Voraussetzungen sollte als Hürde zu betrachten sein, die nicht unterschritten werden sollte.

Ich möchte zu bedenken geben, dass es entgegen herrschender Meinung nicht gerade einfach ist, Nachzuchten zu verkaufen. Es bedarf guter Qualität und mitunter auch eines gewissen Bekanntheitsgrades.

Ich konnte ausrechen, dass 1 Aufzuchtsbecken mit 300 Litern Inhalt, Gesamtkosten von mindestens 75 Euro monatlich verursacht. Diese Kosten setzen sich zusammen aus Strom- und Wasserkosten, Futter, Vitamine und Arbeitsaufwand.

Noch nicht hinzugerechnet sind die Anschaffungskosten der Hardware sowie weitere, anfallende Kosten wie Verpackungsmaterial, Styroporkisten usw.

Somit kann davon ausgegangen werden, dass die Aufzucht im o.a. Beispiel günstigenfalls Kosten in Höhe von mindestens 375 Euro verursacht

Diese Kosten erhöhen sich deutlich, wenn es nicht gelingt, die Nachzuchten nach ca. 10 Wochen abzugeben. Im schlimmsten Fall bleibt man derart auf den Nachzuchten sitzen, dass die vorhandenen Aquarien aufgrund des forschreitenden Wachstums, nicht mehr ausreichen.

Neben der Theorie, sieht sich fast jeder Neueinsteiger bei der Zucht mit nicht vorhersehbaren Problemen konfrontiert, die sich in Paarstreitigkeiten, Gelegefraß, Anschwimmproblemen, Jungfischsterben usw. darstellen.

Allein aufgrund dieser nicht im Vorfeld zu kalkulierenden Problemfaktoren, ist ein gewisser Erfahrungsgehalt im Umgang und problemloser Haltung von Diskusfischen erforderlich.

Von der Umsetzung einer Zucht wieder aller Vernunft, geprägt ausschließlich von dem Wunsch mal nachzuziehen und das bewusste oder fahrlässige Handeln nach der Devise: "es wird schon schief gehen, oder ich versuch es mal", sollte Abstand genommen werden.

Sollten die angeführten Voraussetzungen nicht geschaffen werden können, so muss auf das Erlebnis "Diskuszucht" nicht verzichtet werden.
Ein besonderes Erlebnis bietet die Zuchtbeobachtung in einem Schaubecken.
Wenn der Beifischbesatz angepaßt wird und die Wasserparameter nach und nach eingestellt werden, so kann eine Zucht auch im Schaubecken gelingen.
Diese naturnahe Beobachtung bietet erheblich mehr, als die Zucht in einem sterilen Zuchtbecken.
Es ist nicht auszuschließen, dass der ein- oder andere Jungfisch durchkommt, zu dem man sicher eine ganz besondere Beziehung aufbaut.
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MikeSt
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