Hallo Forumsgemeinde,
Seit nunmehr über 3 Monaten beschäftige ich mich intensiv mit einem meiner Lieblinge, der offenbar schwer und unheilbar erkrankt ist.
Dabei hält sich die Symptomatik auf einem weniger akuten Niveau. Viel mehr ist es die Ausdauer, mit der die Erkrankung ihn regelrecht zunichte zu machen scheint.
Nicht nur er ist schon bald am Ende mit seinen Kräften, sondern auch ich mit meinem Latein. Weswegen ich Euch um Eure Einschätzung bitte.
Faktisch alle Versuche, das Tier gesund zu pflegen scheiterten und scheitern auch aktuell noch.
Lasst mich kurz den Verlauf des nicht enden wollenden Dramas erläutern:
10.- 25.09.09-
Es begann völlig uncharakteristisch. Zu Beginn fielen mir regelmäßig auf dem Aquariumgrund unschöne große schwarze Kotbrocken auf, denen ich aber keine Bedeutung zuschrieb und diese auch noch keinem der Tiere zuordnen konnte.
Nach ein bis zwei Wochen bemerkte ich bei einem meiner Diskus eine Verhaltens- und Kotveränderung. Die Futteraufnahme verlief nur noch zögerlich und zunehmend wählerisch, aber weitestgehend ausreichend bis befriedigend. Häufiger konnte ich das Tier nun beim Absetzen des Kotes beobachten und stellte fest, dass dieser ungewöhnlich dick war und sehr lange Zeit am After hing. Schnell bemerkte ich ebenfalls, dass der nach der Fütterung typischerweise rundlich gefüllte Bauch sich im Stundeverlauf nicht - im Gegensatz zu allen anderen Tieren - abflachte sondern erst nach Absetzen des Kotes wieder normal war.
Nur wenige Tage nach diesen - zwischenzeitlich auch wieder zurückgegangenen - Erstsymptomen verschlechterte sich seine Befindlichkeit. Neben sozialer Absonderung und teilweiser Futterverweigerung kamen nun auch z.T. Dunkelfärbung und eine Schnellatmung hinzu, die Haut verfärbte sich zeitweise “milchig” und sonderte Schleimfäden ab. Der Kot war nun zunehmend weißlich flaumig durchsetzt und weiterhin z.T. extrem verdickt.
Kurzerhand entschied ich mich zu einer vorsichtigen Temperaturerhöhung auf 31°C, wonach sich schon nach zwei Tagen eine Besserung einstellte und ein Großteil der Symptome wieder verschwand.
Über diese offensichtlichen Genesungsantriebe erfreut beobachtete ich das Tier an den darauf folgenden Tagen und erhöhte die Temperatur um einen weiteren Grad.
Enttäuscht stellte ich kurzerhand fest, dass der Kot nun wieder zunehmend weißlich und flaumig wurde und das Tier trotz keinerlei Veränderungen innerhalb weniger Stunden wieder rückfällig wurde. Doch schon ein Tag nach absoluter Futterverweigerung, eitrigem Kot, angelegten Flossen, milchiger Haut, Schnellatmung etc. schien alles wie “weggezaubert” und das Tier fraß und kotete wieder normal.
26.09. - ca. 24.11.09
Nachdem es kurz nach diesem erneuten Aufwärtstrend wieder zu einem schlagartigen Rückfall kam entschied ich mich zu einer separaten Behandlung in einem Einzelbecken. Meine seinerzeit noch äußerst primitiven mikroskopischen Möglichkeiten erlaubten mir Rückschlüsse auf “überdurchschnittlichen” Flagellatenbefall (im Vergleich zu den gesunden Tieren), woraufhin ich im Quarantänebecken eine 35°- Wärmekur einleitete.
Erst nach einer Woche zeigte sich ein allmählicher Verbesserungstrend, zuvor nahm das erkrankte Tier keinerlei Nahrung zu sich und kotete stark weiß mit “knubbelartigen” Verdickungen.
Zugleich setzte ich die Temperatur auf Werte um 31°C zurück und versuchte den Diskus allmählich wieder ans Futter heranzuführen, was auch gelang.
Schon nach wenigen Tagen fraß das Tier wieder in voller Ausprägung und zeigte sich äußerst agil. Der Kot nahm zwischenzeitlich eine normale Konsistenz an, verdickte sich aber im Laufe der Woche wieder (schwarz und bohnenförmig). Zu beobachten war zunehmend, dass das Tier während des Kotens große Probleme (Herumschießen durchs Becken) hatte diesen loszuwerden. Nur wenige Tage später war das nunmehr bereits mehrfach aufgetretene Krankheitsbild wieder vorhanden und sogar noch stärker ausgeprägt. Hinzu kam zeitweiliges Erbrechen, ja sogar Erbrechen von Kot. Teilweise stellte sich das Tier schräg unter die Wasseroberfläche. Nach maximal zwei Tagen waren aber auch diese Symptome (ohne äußere Einwirkung) wieder völlig verschwunden.
Dieses merkwürdig charakterisierte auf und ab setzte sich auch in kommenden Wochen fort, wobei die Phasen ohne Symptome nun deutlich länger wurden und damit durchaus von einem allgemeinen Trend in die richtige Richtung gesprochen werden konnte.
Ich spezialisierte die “Therapie” auf verstärkte Wasserwechsel mit Torf- und Seemandelbaumbeigaben und hielt die Temperatur bei etwa 30°C. Zur Fütterung kamen insbesondere schwarze Mückenlarven und Artemia zum Einsatz, wobei schon seit längerem zu beobachten war, dass das Tier vor allem die schwarzen Mückenlarven bevorzugte.
Bis zum Ende dieses Zeitbereichs stabilisierte sich sein Zustand offenbar, obwohl eine generelle Wählerrichkeit bei der Nahrungsaufnahme nach wie vor bestand.
ca. 25.11. bis jetzt:
Nach dieser Phase endlicher Aufwärtsbewegung fiel das Tier wieder innerhalb kürzester Zeit (vormittags noch fit, abends wieder alle Symptome da) in sein altes Muster zurück. Diesmal allerdings ohne eine erkennbare kurzfristig anschließende Besserung.
Mittlerweile hatte ich meine mikroskopischen Möglichkeiten aufgebessert und entsprechend “wild” untersucht. In den Anfangsergebnissen zeigten sich bereits bei einer schwachen bis mittelstarken Vergrößerungen “einige” Flagellaten, die ich im Vergleich zu den gesunden Extrementen der anderen Tiere als “überdurchschnittlich” etabliert einstufte und ich mich darauf basierend zu Beginn des aktuellen Monates zu einer Behandlung mit “Sera Flagellol” entschloss.
Mit Ablauf der Behandlung verschlechterte sich sein Zustand derart, dass er eines morgens hechelnd mit rötlich aufgespreizten Kiemen und totaler Futterverweigerung an der Aquariumscheibe lehnte (Keine Vergiftung durch Nitrit oder Amoniak!). Ich beendete diese Behandlung, führte einen großen Wasserwechsel durch und filterte über Aktivkohle. Eine Besserung trat nicht ein.
Zwischenzeitlich führte ich mehrere “Untersuchungen” durch mit dem Resultat, dass die Flagellaten zwar reduziert aber keineswegs vollständig abgetötet waren. Insgesamt war die Flagellatenpopulation aber nun kaum mehr höher als die in dem Kot der gesunden Tiere, sodass ich ein Flagellatenbefall als Ursache für die Erkrankung eher ausschloss. Auch Wurmbefall meinte ich aufgrund der zahlreichen negativen Ergebnisse ausschließen zu können.
Aufgrund dieser Ergebnisse verdichteten sich meiner Meinung nach die Hinweise auf ein bakterielles Problem als Ursache. Ich führte weitere Kotuntersuchungen durch und betrachtete mir diese mit stärkster Vergrößerung (1000 bis 1500 fach). Extrem zahlreiche und ebenso bewegliche kleine stäbchenförmige Organismen waren zu erkennen, ja sogar bei mittlerer Vergrößerung als “Gewusel” und “rauschen” im Hintergrund unverkennbar. Der diesbezügliche Vergleich zu den gesunden Tieren war frappierend und zugleich erschreckend. In keinem der gesunden Extremente konnte ich auch nur ansatzweise eine solche Menge von “Stäbchenbakterien” identifizieren.
Insofern meinte ich mich in meiner Annahme bestätigt zu fühlen, dass auch Bakterien hier eine zumindest mit auslösende Rolle spielen könnten, sodass ich ohne großartig zu zögern eine Behandlung mit “Sera baktopur direkt” einleitete. Diese Form der Behandlung wurde unter anderem auch durch eine Empfehlung von “Sera” gestützt, die suggeriert, dass diese nach Flagellolbehandlung eventuell notwendig sein kann.
Tatsächlich stellte sich nach rund drei Tagen extrem kritischer Konstitution eine allmähliche Entspannung der Lage ein. Die Schräghaltung verschwand, ebenso die rötlich geschwollenen Kiemen und ein Großteil des eitrigen Kotes. Nach einer Woche fraß das Tier vorübergehend wieder “kräftig”, leider ausschließlich schwarze Mückenlarven. Ich nutzte diese Lage aus, um die nur einseitige Fütterung mit Vitaminen und probiotischen Nahrungsbestandteilen anzureichern.
Die Kotuntersuchung nach einer Woche ergab keinerlei sichtbares Leben mehr. Offensichtlich hat das Nifurpirinol den Flagellaten “den Rest” gegeben, denn von ihnen als auch von irgendwelchen Bakterien war rein gar nichts mehr zu sehen - auch nicht nach weiteren Untersuchungen.
Bis zum aktuellen Zeitpunkt ist das inzwischen sehr stark abgemagerte Tier mindestens 10 mal rückfällig geworden, d.h., dass die Phasen sich allgemein nun wesentlich schneller abwechseln und insgesamt ein Abwärtstrend erkennbar scheint. Jene Episoden, die von besserer Befindlichkeit gekennzeichnet sind gehen leider immer weniger und kürzer mit einer ausreichenden Nahrungsaufnahme einher. So frisst das Tier pro Fütterung maximal fünf (!) schwarze Mückenlarven - und das auch nur aus der Hand.
Versuche, das Tier mit dieser Menge etwa 10 - 15 mal täglich zu füttern, scheitern daran, dass die anschließende Episode gesundheitlicher Verschlechterung nur noch ausgeprägter ausfällt. Symptome wie aufgetriebener Bauch, Erbrechen von Kot, extrem dicker und stopfiger Kot sowie Schräghaltung gesellen sich dann vermehrt hinzu.
Mittlerweile bin ich mit meinen Möglichkeiten, die Erkrankung aufzuschlüsseln an der Grenze angelangt.
Nochmal kurz und bündig zusammengefasst:
Häufige Symptome:
- Sehr oft weißer Kot überwiegend knubbelartiger bis eitriger Konsistenz.
- Nach selten ausreichender Futteraufnahme nicht zurückgehende Bauchschwellung
- Folgend oft untypisch dicker und knubbelartiger Kot, teils weißlich eitrig durchsetzt und/ oder
weiß umhüllt.
- Seit einigen Wochen durchgehende Schnellatmung, zuvor nur phasenweise
- Schräghaltung kurz vor Beginn eines Rückfalls
- Einschmelzungen an der Schwanzflosse, teils weißlich umrandet.
- Blassfärbung
- Hochgradig konsequente Futterbevorzugung von “schwarzen Mückenlarven” und massive Intoleranz gegenüber anderen Sorten.
Seltene Symptome (überwiegend nach guter Episode mit ausreichender Ernährung):
- Erbrechen von Kot
- Rötliche Kiemenschwellung
- Aphatisches Verhalten
- Abschleimungen mit Schleimfäden
- Desinteresse am Futter (ist trotz extrem geringer Futteraufnahme fast immer sehr interessiert)
Weitere Auffälligkeiten in diesem Zusammenhang:
- Nur sehr selten dunkel gefärbt
- Zurückbildung der Ständer
- Allgemeine Verstärkungstendenz des Krankheitsbildes
Art der Untersuchung:
Beobachtung, symptomatische Ein- bzw. Zuordnung, Mikroskopie
Ergebnisse der Symptomzuordnung:
Für mich rein symptomatisch betrachtet keinem bekannten Krankheitsbild zuzuordnen.
Rein oberflächlich liegt eine schwere Magen- Darmstörung vor.
Fragen wirft für mich vor allem das radikale Umschlagen zwischen gesunden und kranken Episoden auf sowie das uncharakteristische Absetzten des Kotes als auch dessen chronisch krankhafte Konsistenz.
Ergebnisse der Kotuntersuchung vor den Behandlungen (als Vergleich zu den gesunden Tieren)
- extrem starker Massenbefall von sehr beweglichen stäbchenförmigen Organismen (wahrscheinlich Bakterien)
- mäßiger bzw. leicht überdurchschnittlicher Flagellatenbefall
- Kein Wurmbefall (wie z.B. Capilaria, Bandwürmer, Nematoden (Fadenwürmer), Haarwürmer etc.)
- Im Vergleich zu den Extrementen der gesunden Tiere fehlende Mannigfaltigkeit, d.h. (abgesehen von “Stäbchenbakterien”) z.B. keine Spririllen und andere Bakterienformen.
- Kein weiterer Parasitenbefall
Mikroskopische Ergebnisse nach den Behandlungen
- Keinerlei Leben im Kot erkennbar. Sowohl die Flagellaten als auch die angesprochenen bakterienförmigen Organismen scheinen verschwunden.
Art der Behandlungen:
- Wärmebehandlung
- Torfzusatz
- Seemandelbaumblattzusatz
- Starke Wasserwechsel
- Anvitaminisierung des Futters
- Fütterung von Lebendfutter
- Behandlung mit Sera Baktopur Direkt
- Behandlung mit Sera Flagellol
- Anreicherung des Futters mit probiotischen Nahrungsbestandteilen
Aktuell zeigt sich die symptomatische Situation so:
24. / 25.12.
Völlige Einstellung der Nahrungsaufnahme, extrem dicker, weißlich eitrig umhüllter dunkler Kot, Schnellatmung, am Futter interessiert, keine Dunkelfärbung, Schleimabsonderungen, Schräghaltung, teilweise starke Blassfärbung.
26. / 27.12.
Zunehmende Agilität, kein Schleim, wieder geringe Nahrungsaufnahme, am 27. Sehr hungrig wirkend, insgesamt ausreichende Nahrungsaufnahme von sch. Mückenlarven, massive Intoleranz gegenüber allen anderen Futtersorten.
Aktuell:
Wiederholung des Krankheitsbildes…
Inzwischen glaube ich kaum noch an eine Infektion mit Bakterien oder Parasiten als primäre Ursache. Viel mehr halte ich (nach meinem “Gefühl”) ein organisches Problem für nahe liegend.
Wie seht Ihr das ? Und welche Erkrankungen sind Euch diesbezüglich bekannt ?
Wie sieht es mit einer Pilzinfektion als mögliche Hintergrunderkrankung aus ? Wer hat damit Erfahrungen ?
Leider habe ich von hier aus nicht die Möglichkeit einen fachkundigen Fischveterinär aufzusuchen. Daher muss ich mich auf eigene Möglichkeiten beschränken und versuchen die Problematik selber aufzuschlüsseln.
Vielleicht hat jemand von Euch Erfahrung mit einem ähnlichen Fall gemacht und kann mir diesbezüglich helfen bzw. mir Auskünfte darüber erteilen.
Vielen Dank
Paulo, der Beobachter



