Bericht Capillariabehandlung

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Bericht Capillariabehandlung

Beitragvon Markus » 15. Jan 2005 21:03

Auf Wunsch von Gogo wird hier mein im Diskus-Welt-Report 01/2003 erschienener Artikel zur Capillariabehandlung mit freundlicher Genehmigung des DWR-Verlages veröffentlicht.
Wir hoffen, dass es dem Ein o. Anderen helfen wird, wenn mal ein Problem mit Capillaria auftritt. Keinesfalls sollte es aber als Anlass genommen werden, auf Verdacht zu behandeln! Zwei Fotos wurden nicht übernommen, da sie mit der eigentlichen Capillariaproblematik nichts zu tun haben.

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Capillariabefall – Was nun?

Text u. Fotos: Dipl.-Ing. (FH) M. Jochheim

Seit nunmehr über zwanzig Jahren halte und züchte ich Diskus. Zwischendurch war zwar immer aus verschiedenen Gründen mal die ein oder andere kurze Pause angesagt. Auch wurden mal andere Fische gepflegt, wie z.B. Tropheus. Trotzdem halte ich es nie länger als zwei, drei Jahre ohne Diskus aus.
Mein züchterischer Erfolg war unterschiedlich und wesentlich davon abhängig, welche Parasiten die Tiere so mit sich herumschleppten.
Gegen Darmflagellaten habe ich bisher glücklicherweise noch nie Medikamente einsetzen müssen; eine intensive Fütterung mit ballaststoffreichem Frostfutter reichte meist aus; in hartnäckigen Fällen wurde eine Temperaturbehandlung durchgeführt.
Größere Probleme bereiteten mir Band- und Kiemenwürmer. Waren diese erst mal beseitigt, so klappte die Zucht meist problemlos. Trotzdem war ich mit dem Wachstum nicht immer zufrieden.
Aus diesen Erfahrungen heraus machte ich mir im Jahre 99 erstmalig tiefergehende Gedanken zu parasitenfreien Diskus und sammelte in Literatur, Internet, sowie durch persönlichen Kontakt mit Züchtern parasitenfreier Tiere wie Gerhard Rahn, Dieter Untergasser und einigen Anderen alle greifbaren Informationen. Im Jahre 2001 trennte ich mich von meinem kompletten Fischbestand und desinfizierte meine Anlage sehr gewissenhaft. Im Januar 2002 erwarb ich zwanzig parasitenfreie Diskus, 4 Monate alt und ca. 10 cm groß.
Die Tiere wuchsen innerhalb von drei Monaten auf 13 - 15 cm heran. Es bildete sich zu dieser Zeit sogar das erste Paar und machte mit starkem Rütteln und Kegelputzen auf sich aufmerksam. Diese sieben Monate alten Tiere hatten eine Größe erreicht, die ich früher bei nichtparasitenfreien Tieren erst nach ca. 11-12 Monaten erreichte.
Traumhaft – bis nahezu von einem auf den anderen Tag die Tiere nur noch zögerlich Nahrung zu sich nahmen und verstärkt ihre Streifen zeigten. Erst machte ich mir dazu noch nicht viel Gedanken und dachte, es läge am Wasser und tauschte die Aktivkohlefüllung meines permanenten Frischwasserzulaufes aus. Doch nach einer weiteren Woche zeigten die ersten Diskus weißen Kot, ein sicheres Zeichen für eine gestörte Darmflora, bei der vermehrt Darmzellen unter Schleimbildung abgestoßen werden. Der Schreck war groß und ich befürchtete Darmflagellaten, was das „Aus“ für eine parasitenfreie Anlage bedeuten würde. Darmflagellaten kann man bei größeren Diskus nicht mit vertretbaren Mitteln ausrotten, da geeignete Mittel (Imidazolderivate, z.B. Metronidazol) im Darm soweit zersetzt bzw. umgewandelt werden, dass die wirksame Konzentration spätestens im Enddarm wohl nicht mehr ausreicht, um alle Flagellaten auszurotten. Weiterhin sind die heutigen Darmflagellaten durch häufige Medikamentenanwendungen wesentlich resistenter geworden. Eine Tendenz, die man auch stark bei Kiemenwürmern und anderen Parasiten feststellen kann. Eine frisch entnommene Kotprobe meiner Tiere zeigte unterm Mikroskop erfreulicherweise keine Flagellaten, aber einen extrem starken Befall mit Capillaria. In einem Präparat waren mehrere hundert Eier zu entdecken, also ein recht massiver Befall, der einen Medikamenteneinsatz unabdingbar machte.

Neben der sicheren Diagnosestellung mit dem Mikroskop ist es sehr wichtig, sich über die „Eigenarten“ des Parasiten zu erkundigen, sowie ein geeignetes Medikament auszuwählen. Kennt man Wirkungsweise und Nebenwirkungen, so können Fehler vermieden werden und einer erfolgreichen Behandlung steht nichts im Wege. Bei allen Diskuskrankheiten (ausgenommen der Diskusseuche) bleibt normalerweise genügend Zeit für eine Diagnose (auch wenn man sie nicht selbst durchführen kann), sowie einer ausreichenden Informationssammlung. Hierzu gibt es genügend Fachzeitschriften und -bücher, aber auch im Internet sind viele Informationen zu finden. Da hier aber auch neben sehr vielen wertvollen auch völlig falsche Informationen zu finden sind, ist derjenige besser beraten, der sich möglichst vielseitig informiert, da er dann die richtigen von den falschen Informationen trennen kann.
Zuletzt geändert von Markus am 29. Apr 2005 10:46, insgesamt 5-mal geändert.
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Beitragvon Markus » 15. Jan 2005 21:07

Capillariaeier im Kotpräparat

Charakteristisch sind die sektkorkenartigen Enden der Eier!
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Bericht Capillariabehandlung Teil 2

Beitragvon Markus » 15. Jan 2005 21:08

Capillaria sp.
Capillaria gehören zu den Nematoden und werden auch Haarwürmer genannt, da ihr Durchmesser-/Längenverhältnis sehr klein ist. Obwohl sie mehrere Zentimeter lang werden können, sind sie mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen, da sie nahezu durchsichtig sind. Sie brauchen im Gegensatz zu Bandwürmern keinen Zwischenwirt und können sich daher im Fisch vermehren, vorausgesetzt, es sind mindestens ein weiblicher und ein männlicher Wurm im Fisch vorhanden. Lebende Capillaria verlassen ihren Wirt normalerweise nicht, daher wird man in Kotpräparaten selten einen lebenden Wurm finden.
Die Weibchen sind sehr produktiv und scheinen ständig Eier abzugeben, daher kann man sie auch recht sicher in Kotpräparaten nachweisen, ohne einen Fisch sezieren zu müssen. Die Eier sind ca. 50-60 µm groß und bei 150-200-facher Vergrößerung im Mikroskop nachzuweisen. Bei 400-facher Vergrößerung kann man die sektkorkenartigen Enden der Eier als typische Erkennungsmerkmale eindeutig zuordnen.
Auch wenn es in manchen Büchern anders beschrieben ist, so sind die Eier nach heutigem Wissensstand mit keinem Medikament abzutöten. Daher ist eine erfolgreiche Behandlung nur möglich, wenn die Eier während der Behandlung schlüpfen und nicht nachher.
Die Schlupfdauer der Eier ist temperaturabhängig und kann mehrere Monate dauern. Im warmem Diskusaquarium sollten nach ca. drei Wochen die meisten Eier geschlüpft sein, genaue wissenschaftliche Untersuchungen hierzu sind mir jedoch nicht bekannt.
Capillaria schädigen ihren Wirt einerseits durch Nahrungsentzug, was zu Nährstoffmangel führen kann, andererseits führen ihre Stoffwechselprodukte zu einer schleichenden Vergiftung des Fisches. Ein leichter Befall kann unter Umständen lange Zeit unerkannt bleiben, ein starker Befall führt jedoch zu Nahrungsverweigerung und kann zum Tode führen.

Geeignete Medikamente
In der Literatur werden zumeist zwei Wirkstoffe für die Behandlung bei einem Capillariabefall angeführt.
Sowohl Levamisol, als auch Flubendazol als geeignete Wirkstoffe sind nur in verschreibungspflichtigen Medikamenten enthalten. Der Wirkstoff Levamisol ist in dem Medikament Concurat®-L 10% enthalten und sollte über damit getränktes Futter verabreicht werden. Eine Verabreichung über das Wasser ist nicht ungefährlich, da das stark glukosehaltige Medikament stark bakterienfördernd ist. Außerdem ist die über das Wasser zu verabreichende Dosis sehr hoch und stresst die Diskus stark.
Flubendazol ist in dem Medikament Flubenol 5% enthalten. Flubenol kann bei längeren Anwendungen vor allem bei älteren Diskus zu sogenannten Kopfstehern führen, also einer Fehlfunktion der Schwimmblase, was zum Aufschwimmen des Diskus führt.
Bei einer Medikamentendosierung übers Futter kann man davon ausgehen, dass die gesunden („gefräßigen“) Tiere sehr viel Medikament abbekommen, die Kranken jedoch eher wenig. In meinem Falle fraßen jedoch ein paar Tiere überhaupt nicht mehr, so dass ich diese Methode von vornherein ausschloss.
Aus dieser Unschlüssigkeit heraus rief ich Gerhard Rahn an, der mir schon in der Vergangenheit sehr viele gute Ratschläge gegeben hat. Und auch in diesem Falle konnte er mir helfen, indem er mir einen Behandlungsplan mitteilte, den er vor Jahren entwickelte und der sich bei ihm und einigen anderen als sehr erfolgreich erwiesen hat. Erkennbare Nebenwirkungen traten dabei nicht auf.
Also notierte ich mir die Dosierung u. die zeitliche Abfolge und ging hiermit, sowie mit einem Photo der Capillariaeier zu einem Tierarzt, der mir daraufhin ein Medikament für Flubenol 5% ausstellte. Das Medikament konnte ich am nächsten Tag nach Bestellung in der Apotheke abholen. Leider reicht die kleinste Verpackungsgröße für die Behandlung mehrerer Großzuchtanlagen, da es als Entwurmungsmittel für die Masttierzucht entwickelt wurde.

Die Behandlung
Für die Behandlung werden je 100 l Aquarienwasser 250 mg Flubenol 5% benötigt. Man errechnet die benötigte Menge, lässt sie sich in der Apotheke abwiegen und in ein schlankes Reagenzglas abfüllen. Auf Füllhöhe wird dann mit einem geeigneten permanenten Filzschreiber (z.B. einem feinen Edding) eine Füllstandsmarkierung gemacht, um später selbst die Mengen abmessen zu können.
Das Medikament in ein Schraubglas geben, das zuvor zur Hälfte mit Aquarienwasser befüllt wurde, anschließend ausgiebig schütteln und gleichmäßig im Aquarium unter Umrühren verteilen.
Nach zwei Tagen ist das Medikament wieder aus dem Aquarium zu entfernen durch einen großen Wasserwechsel und Einsatz von guter Aktivkohle. Nach weiteren fünf Tagen, also insgesamt einer Woche, wird die Aktivkohle wieder entfernt. Die Behandlung wird in gleicher Art und Weise 4x im wöchentlichen Abstand angewendet, danach noch drei Behandlungen im 4-wöchigen Abstand. Die letzten drei Behandlungen dienen der Sicherheit, um noch evtl. vorhandene infektiöse Eier zu erwischen. Letztendlich könnten sich noch an kälteren Stellen (z.B. Filter) Eier befinden, weiterhin kann man nicht ausschließen, dass Capillaria aus dem Darm in benachbarte Organe wandern, wo sie nicht so gut vom Medikament erreicht werden. Wichtig ist es, die Aktivkohle nicht zu vergessen. Weder die Zugabe zum richtigen Zeitpunkt, noch das Entfernen zum richtigen Zeitpunkt. Nach den Behandlungen ist vermehrt Wasser zu wechseln, sowie zeitversetzt Bodengrund und Filtermaterialien zu reinigen, da Flubenol nur zum Teil sofort in Lösung geht, der Rest sich jedoch absetzt. Um die Sicherheit der Behandlung noch zu erhöhen, habe ich die Tiere nach jeder Behandlung in ein anderes Becken gesetzt und das vorherige Becken mit Tauchsiedern auf 60°C erhitzt. Dadurch werden die Eier mit Sicherheit abgetötet, leider setzt dies natürlich mehrere Becken und mehr Arbeit voraus. Ich weise in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das Erhitzen zum Platzen der Becken führen kann, ebenfalls dürfen sich natürlich keine lebenden Tiere u. Pflanzen mehr im Becken befinden. Die bisherigen Erfahrungen deuten darauf hin, dass das Kopfsteherproblem hauptsächlich auf starke Aufkonzentration von Flubenol im Aquarium und die daraus resultierende lange Einwirkzeit auf die Diskus zurückzuführen ist. Die o.a. Methode mit den sehr kurzen Einwirkzeiten und großen Behandlungspausen scheint dieses Problem wirkungsvoll zu umgehen.
Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass Flubenol 5% von anderen Fischen in der Regel auch problemlos vertragen wird, jedoch nicht von Schnecken. Daher sollten diese vorher so weit wie möglich entfernt werden. Besonders absterbende Apfelschnecken belasten das Wasser extrem, soweit sollte man es nicht kommen lassen. Aber auch Turmdeckelschnecken, die in großer Zahl im Bodengrund vorhanden sein können, sollte man nicht vergessen. Untersucht man während der Behandlung Kotproben, so kann man die relativ langsame Wirkungsweise von Flubenol nachvollziehen. Flubenol tötet die Würmer nicht direkt, sondern hemmt die Nahrungsverwertung, so dass sie langsam verhungern. Die Eiproduktion wird schon nach wenigen Tagen eingestellt. Nach zehn Tagen waren trotz umfangreicher Suche nur noch zwei Eier zu entdecken, dafür einige abgestorbene Würmer. Selbst nach achtzehn Tagen wurden noch zwei abgestorbene Würmer gefunden, jedoch kein Ei mehr. Die Diskus nahmen schon nach wenigen Tagen wieder zaghaft Nahrung zu sich, trotzdem dauerte es ca. drei Wochen, bis alle Tiere wieder normalen, dunklen Kot zeigten.
Sicherlich haben sich einige von Ihnen gefragt, wie Capillaria denn bei meinen parasitenfreien Tieren auftauchen konnten. Leider kann ich diese Frage nicht sicher beantworten, jedoch halte ich einen erworbenen Enchyträenansatz für die wahrscheinlichste Übertragungsquelle. Bei Hühnern dienen z.B. Regenwürmer als Zwischenwirte für Capillarien. Mittlerweile habe ich über einen längeren Zeitraum jedoch sehr viele Kotproben ohne Befund untersucht, so dass ich sicher bin, dass meine Diskus nun wieder parasitenfrei sind und dies hoffentlich mein letzter Medikamenteneinsatz war.
Zuletzt geändert von Markus am 12. Feb 2005 18:18, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitragvon Markus » 25. Apr 2008 20:13

Hallo,

ich wurde darau aufmerksam gemacht, dass der Artikel verschwunden war. Komischerweise tritt er wieder hervor, wenn eine Antwort geschrieben wird, lösche ich sie wieder, ist der ganze Beitrag wieder im verborgenen... Komisch, komisch.

Schöne Grüße
Markus
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