Auf Wunsch von Gogo wird hier mein im Diskus-Welt-Report 01/2003 erschienener Artikel zur Capillariabehandlung mit freundlicher Genehmigung des DWR-Verlages veröffentlicht.
Wir hoffen, dass es dem Ein o. Anderen helfen wird, wenn mal ein Problem mit Capillaria auftritt. Keinesfalls sollte es aber als Anlass genommen werden, auf Verdacht zu behandeln! Zwei Fotos wurden nicht übernommen, da sie mit der eigentlichen Capillariaproblematik nichts zu tun haben.
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Capillariabefall – Was nun?
Text u. Fotos: Dipl.-Ing. (FH) M. Jochheim
Seit nunmehr über zwanzig Jahren halte und züchte ich Diskus. Zwischendurch war zwar immer aus verschiedenen Gründen mal die ein oder andere kurze Pause angesagt. Auch wurden mal andere Fische gepflegt, wie z.B. Tropheus. Trotzdem halte ich es nie länger als zwei, drei Jahre ohne Diskus aus.
Mein züchterischer Erfolg war unterschiedlich und wesentlich davon abhängig, welche Parasiten die Tiere so mit sich herumschleppten.
Gegen Darmflagellaten habe ich bisher glücklicherweise noch nie Medikamente einsetzen müssen; eine intensive Fütterung mit ballaststoffreichem Frostfutter reichte meist aus; in hartnäckigen Fällen wurde eine Temperaturbehandlung durchgeführt.
Größere Probleme bereiteten mir Band- und Kiemenwürmer. Waren diese erst mal beseitigt, so klappte die Zucht meist problemlos. Trotzdem war ich mit dem Wachstum nicht immer zufrieden.
Aus diesen Erfahrungen heraus machte ich mir im Jahre 99 erstmalig tiefergehende Gedanken zu parasitenfreien Diskus und sammelte in Literatur, Internet, sowie durch persönlichen Kontakt mit Züchtern parasitenfreier Tiere wie Gerhard Rahn, Dieter Untergasser und einigen Anderen alle greifbaren Informationen. Im Jahre 2001 trennte ich mich von meinem kompletten Fischbestand und desinfizierte meine Anlage sehr gewissenhaft. Im Januar 2002 erwarb ich zwanzig parasitenfreie Diskus, 4 Monate alt und ca. 10 cm groß.
Die Tiere wuchsen innerhalb von drei Monaten auf 13 - 15 cm heran. Es bildete sich zu dieser Zeit sogar das erste Paar und machte mit starkem Rütteln und Kegelputzen auf sich aufmerksam. Diese sieben Monate alten Tiere hatten eine Größe erreicht, die ich früher bei nichtparasitenfreien Tieren erst nach ca. 11-12 Monaten erreichte.
Traumhaft – bis nahezu von einem auf den anderen Tag die Tiere nur noch zögerlich Nahrung zu sich nahmen und verstärkt ihre Streifen zeigten. Erst machte ich mir dazu noch nicht viel Gedanken und dachte, es läge am Wasser und tauschte die Aktivkohlefüllung meines permanenten Frischwasserzulaufes aus. Doch nach einer weiteren Woche zeigten die ersten Diskus weißen Kot, ein sicheres Zeichen für eine gestörte Darmflora, bei der vermehrt Darmzellen unter Schleimbildung abgestoßen werden. Der Schreck war groß und ich befürchtete Darmflagellaten, was das „Aus“ für eine parasitenfreie Anlage bedeuten würde. Darmflagellaten kann man bei größeren Diskus nicht mit vertretbaren Mitteln ausrotten, da geeignete Mittel (Imidazolderivate, z.B. Metronidazol) im Darm soweit zersetzt bzw. umgewandelt werden, dass die wirksame Konzentration spätestens im Enddarm wohl nicht mehr ausreicht, um alle Flagellaten auszurotten. Weiterhin sind die heutigen Darmflagellaten durch häufige Medikamentenanwendungen wesentlich resistenter geworden. Eine Tendenz, die man auch stark bei Kiemenwürmern und anderen Parasiten feststellen kann. Eine frisch entnommene Kotprobe meiner Tiere zeigte unterm Mikroskop erfreulicherweise keine Flagellaten, aber einen extrem starken Befall mit Capillaria. In einem Präparat waren mehrere hundert Eier zu entdecken, also ein recht massiver Befall, der einen Medikamenteneinsatz unabdingbar machte.
Neben der sicheren Diagnosestellung mit dem Mikroskop ist es sehr wichtig, sich über die „Eigenarten“ des Parasiten zu erkundigen, sowie ein geeignetes Medikament auszuwählen. Kennt man Wirkungsweise und Nebenwirkungen, so können Fehler vermieden werden und einer erfolgreichen Behandlung steht nichts im Wege. Bei allen Diskuskrankheiten (ausgenommen der Diskusseuche) bleibt normalerweise genügend Zeit für eine Diagnose (auch wenn man sie nicht selbst durchführen kann), sowie einer ausreichenden Informationssammlung. Hierzu gibt es genügend Fachzeitschriften und -bücher, aber auch im Internet sind viele Informationen zu finden. Da hier aber auch neben sehr vielen wertvollen auch völlig falsche Informationen zu finden sind, ist derjenige besser beraten, der sich möglichst vielseitig informiert, da er dann die richtigen von den falschen Informationen trennen kann.



